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Haben Robin Thicke und Pharrell Williams von Marvin Gaye abgekupfert?

Times mager

Abgekupferter Soul?

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„Soulmusik klingt nun mal wie Soulmusik“, sagt Pharrell Williams. Ob der verstorbene Marvin Gaye das genauso sehen würde?

Fünf Millionen Dollar Entschädigung hat ein kalifornisches Bezirksgericht unlängst der Familie des verstorbenen Soulmusikers Marvin Gaye zugesprochen. Richter John Kronstadt gelangte nach jahrelangen, ähm, Anhörungen zur der Einsicht, dass Gayes Song „Got To Give It Up“ (1977) allzusehr dem Erfolgstitel „Blurred Lines“ ähnele, mit dem Robin Thicke und Pharrell Williams knapp vierzig Jahre später viele, viele Millionen Dollar scheffelten.

Beziehungsweise: umgekehrt. Williams und Thicke sollen natürlich von Gaye abgekupfert haben. Ob das stimmt, bleibt unter Musikfreunden umstritten. Die Soul-Redaktion der Frankfurter Rundschau hat für ihre Leser recherchiert und sagt vorläufig: Gewisse Übereinstimmungen im Rhythmus lassen sich nicht leugnen, aber alles in allem, vor allem melodisch, scheinen das doch zwei verschiedene Songs zu sein. Besonders vor dem Hintergrund, dass im modernen Pop ohnehin kaum noch eine originalverpackte Portion Melodien erhältlich ist. Nach all den Jahren.

Oder mit Pharrell Williams’ Worten: „Soulmusik klingt nun mal wie Soulmusik.“ Da dürfte er mindestens zwei Hörergenerationen der vierten Radioprogramme aus dem Herzen sprechen.

Während Popfreunde sich nun ausmalen, wie Richter Kronstadt vor einem Musikabspielgerät sitzt, lauscht, vergleicht, auch Fachleute einvernimmt, mogeln sich Erinnerungen dazwischen. 1977, als Marvin Gayes Song entstand, veröffentlichten die Talking Heads ein Lied mit dem Refrain: „Psycho Killer / Qu’est-ce que c’est / Fa-fa-fa-fa-fa-fa-fa-fa-fa-far better / Run run run run run run run away.“ Es war die Zeit, als man – auch aufgrund rudimentärer Englischkenntnisse – hinnahm, was Fremdsprachler sangen, ohne Ansehen des Sinngehalts. Zwei Jahre später erschien der Talking-Heads-Song „Heaven“ mit der überragenden Textzeile: „Heaven is a place / A place where nothing / Nothing ever happens.“

Erst ziemlich genau vierzig Jahre später entfaltete sich in Teilen der Hörerschaft – sagen wir: in einer exklusiven Minderheit der Hörerschaft – die ganze Komik dieser Textzeile und führte vorigen Sonntag zu einem veritablen Lachanfall. Stichprobenartige Meinungsumfragen ergaben übrigens, dass Frauen schon viel früher auch auf Textinhalte achten und nicht nur auf Melodien und sonstige Äußerlichkeiten.

Apropos Inhalte und Äußerlichkeiten: Der Witz am eingangs erwähnten Fünf-Millionen-Urteil ist ja, dass der Hit „Blurred Lines“ seine Popularität wohl kaum einer genialen Komposition zu verdanken haben dürfte, sondern vielmehr dem begleitenden Musikvideo. Darin wurden die Interpreten Thicke und Williams von nackigen Supermodels umtanzt.

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