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Engpässe im Insektenhotel: Da, schon wieder muss eine von diesen rotbraunen Bienen umdrehen.

Times mager

GZSZ - Die Feuilleton-Glosse

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Von Hummeln, die keine Hummeln sind, und inneren Schweinhunden, die Schweinhunde bleiben.

Über der großen Krise, deren Namen wir hier nicht nennen wollen, aber er fängt mit C an, vergisst man leicht die kleinen Krisen dieser Tage.

Dass man zum Beispiel, nur weil es im vergangenen Jahr keine Nachfrage gab, in diesem Frühjahr ganz klar zu wenig Wohnungen zur Verfügung stellte. Jetzt ist jede einzelne belegt und zugemauert (logisch, C. wie zumauern) und immer noch kommen diese kleinen schlanken rotbraunen Hummeln angeflogen und wollen gern irgendwo einziehen, und man war mindestens so nachlässig wie die Stadt Frankfurt und hat das Wohnungsproblem nicht vorausgesehen. Da, schon wieder musste eine umdrehen, man meint, ihre Flügel hängen zu sehen.

Aber Moment, jetzt wird einem auch noch klar, dass diese kleinen Hummeln mit dem rotbraunen Hinterteil wohl gar keine Hummeln sind, sondern Solitärbienen. Danke, Kollegen, dass ihr ein Bild abgedruckt habt (das uns beim Frühstück schon ins Auge stechen musste) und einem damit das Gefühl gegeben, im Biologieunterricht bei den Bienen, Hummeln und anderen, für Teenager nicht so wahnsinnig interessanten Tieren gepennt zu haben. Teenager sind ja eher am Selbermachen interessiert, und damit meinen wir jetzt nicht das Bauen von Insektenhotels.

Aber wir schweifen ab. Allerdings ist das (gedankliche) Abschweifen eine dieser Zeit angemessene Tätigkeit, da sie diese, also die Zeit, nicht nur im Raum verteilt, sondern, uff, verbraucht, ohne dass man dabei reale Räume betreten müsste, in denen sich womöglich schon ein anderer Mensch bzw. eine andere Hummel, die in Wahrheit eine Biene ist, aufhält.

Doch nun zu den weiteren kleinen Krisen. Als da sind: Die eine Hälfte der Wohnung ist frühlingsgeputzt. Zur anderen hat man jetzt keine Lust mehr. Fatal. Denn gleichzeitig gibt es da dieses Wann-wenn-nicht-jetzt-Gefühl, dieses schlechte Gewissen. Nie wieder wird man über mangelnde Frühjahrsputzmöglichkeiten klagen können, wenn man sie jetzt, da sie einem vor der Nase baumeln, nicht ergreift.

Und dann die Schwüre, die man sich selbst geschworen hat in Zeiten, die eigentlich gar nicht so schlecht waren, in denen man aber immer auf bessere wartete. Bessere, um endlich Proust zu Ende zu lesen. Um jeden Tag mindestens eine Stunde spazieren zu gehen. Um Morgengymnastik zu machen. Vielleicht ist die C-Zeit nun auch die Zeit für Ehrlichkeit: Handelte es sich etwa um Ausreden?

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