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Times Mager

Gutes Benehmen

  • VonChristian Schlüter
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Wikileaks hat wieder zugeschlagen und die Veröffentlichung von Geheimdokumenten aus dem US-Außenministerium angekündigt. Ressentiments in diplomatischen Kreisen wurden enthüllt. Doch dass Diplomatie nichts mit gutem Benehmen zu tun hat, ist eh schon längst bekannt.

Wikileaks schlägt wieder zu: Die Enthüllungsplattform hat die Veröffentlichung von Geheimdokumenten aus dem amerikanischen Außenministerium angekündigt. Schon warnt das Pentagon, der Weltfrieden sei in Gefahr, käme heraus, wie sehr das Ressentiment in diplomatischen Kreisen regiere. Wir dagegen wollen an dieser Stelle die Ruhe bewahren und uns nicht vor den Enthüllungen fürchten, schließlich ist doch alles schon gesagt und also auch bekannt.

Neulich zum Beispiel hat sich Nicolas Sarkozy am Rande des NATO-Gipfels ganz undiplomatisch über einen Journalisten geärgert, der ihm Fragen zu einer leidigen Schmiergeldaffäre im heimatlichen Frankreich stellte. Sarkozy, ganz unpräsidial dem nervenden Journalisten zugewandt: „Es scheint mir, als seien Sie pädophil. Wer mir das gesagt hat? Ich habe die innere Überzeugung (...) Können Sie sich rechtfertigen?“ Klatsch, das war brontal in die Presse.

Nun könnte man meinen, Frankreichs Präsident sei ein gewählter Politiker und deswegen per definitionem dem Volk und dessen pöbelhaften Allüren verpflichtet, während bei staatsbediensteten Diplomaten die vornehme Zurückhaltung, die Contenance gewissermaßen genetisch bedingt sei. Wir wollen das an dieser Stelle keineswegs bezweifeln, allerdings auch anmerken, dass Gelassenheit oder Besonnenheit im Umgang miteinander nichts über den Charakter einer Person beweist.

Diplomaten können sehr wohl gehässig und sogar böse sein – wie die jüngsten Diskussion über die Rolle des Auswärtigen Amts im Dritten Reich uns doch sehr nahegelegt haben. Daran ändert auch nichts, wie das Beispiel Sarkozy zeigt, dass sie in ihrer offiziellen Verkehrssprache, dem Französischen, immer so gut erzogen klingen, selbst wenn sie gerade eine dicke Schweinerei vom Stapel lassen. Womit wir wieder beim Weltfrieden und seiner Sicherung durch gutes Benehmen angekommen wären: Beides hat miteinander nichts zu tun.

Apropos Schweinerei, in Hinblick auf den Weltfrieden sollten wir von der Diplomatie wissen, dass sie die Kunst ist, mit einem Schwein keineswegs ergebnisoffen über die Notwendigkeit des Fleischverzehrs zu verhandeln.

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