Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mit Manuel Neuer im Tor sind wir gut aufgestellt. Doch was bedeutet, dass die Friedensforschung gut aufgestellt ist?
+
Mit Manuel Neuer im Tor sind wir gut aufgestellt. Doch was bedeutet, dass die Friedensforschung gut aufgestellt ist?

Times mager

Gut aufgestellt

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
    schließen

Ob die Firma, die Frittenbude, die Finanzen oder der Fußball – alle sind gut aufgestellt. Und jetzt auch die Friedensforschung.

Wie sind wir denn heute so aufgestellt? Mit Neuer im Tor, klar, davor einer Dreierkette – oder doch besser das Kleeblatt Ginter, Hummels, Rüdiger, Gosens? Nein, keine Spekulationen, Namen werden erst kurz vor dem Spiel genannt, zum EM-Auftakt gegen Frankreich. Unbedingt faktenbasiert geht es dann ins Spiel.

Unabhängig davon ist Deutschland aber sowieso gut aufgestellt. Dazu muss man nicht ein EM-Spiel gesehen (und bei der Gelegenheit mal wieder was gelesen) haben, da reicht es, wenn man, so dass einem Hören und Sehen vergeht, am Wochenende über ein Hörfunk-Gespräch liest: „Die Friedensforschung ist gut aufgestellt.“ So überschrieb der NDR ein Gespräch mit dem Friedens- und Konfliktforscher Michael Brzoska – doch was soll den Menschen damit gesagt werden? Steht die Friedensforschung in Reih und Glied, steht sie stramm?

Ein dermaßen gut aufgestellter Friedensplan erinnert ein bisschen an Zeiten, in denen man (Männer) sich nicht darauf beschränkte(n), mit elf Mann (Männern) die deutsche Nationalhymne zu singen – eine heute übrigens recht friedliche, seitdem sich Deutschland von solchen Strophen verabschiedet hat, in denen sich die Nation nicht nur von der Etsch bis an den Belt gut positioniert wünschte, sondern in aller Welt gut aufgestellt.

Lange ein echter Zielkonflikt! Ging es doch darum, vorhandene Räume zu besetzen. Viele Länder, die dagegen engagiert zu Werke gingen, darunter solche, die nicht nur zur EM an Versen in ihrer Nationalhymne festhalten, mit denen sich der Chauvinismus gut aufgestellt zeigt, gut gerüstet, denn das will man wohl mit dieser Formulierung sagen, die beides ist, Beschönigung und Beschwörungsformel. Wer gut aufgestellt ist, ist es nicht unbedingt, der Wunsch ist häufiger weit größer als die Wirklichkeit.

Nun aber geben wir rasch ab (ins Stadion oder ins Studio? Jedenfalls) zu unserem Experten, dem Ex-Nationalspieler und Vizeweltmeister Michael Ballack, der soeben meinte: „Von der Qualität her sind wir nach wie vor gut aufgestellt.“ Die Sache ist nicht zum Lachen, spricht doch aus Phrasen nicht etwa die schönste Nebensache der Welt, sondern die bitterernsteste. Der Satz, die Firma, die Frittenbude, die Finanzen oder der Fußball seien gut aufgestellt, muss nicht glaubwürdig sein, um trotzdem eine Glaubenssache zu sein. Das gilt auch für (den Bundestrainer) Joachim Löw, als er zu Beginn des Jahres sagte, man sei „vom Konzept her gut aufgestellt.“ Sucht dieser Routinier irgendwann noch mal verbal das Risiko.

Wie auch immer, Spielverderberrinnen und -verderber erkannte man daran, dass sie der Phrase nicht nach dem Mund redeten. Echte Typen, und davon gibt’s im Deutschen nicht so viele, daran, dass sie nicht murmelten: Alles klar, Amen!

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare