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Das Mainspitzdreieck.
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Das Mainspitzdreieck.

Times mager

Gustavsburg

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Wurde auch der Main auf den letzten Metern noch zum Frontfluss? Mitte des 19. Jahrhunderts stellte es sich dem erzromantisch eingestellten Publizisten Ludwig Braunfels jedenfalls so dar.

Gustavsburg, der Name lässt sich merken. Gehört zu Ginsheim, gleich bei Groß-Gerau, überhaupt kein Thema! Wobei, gelegentlich wird nicht nur dem Internet die Beschreibung des Stadtteils überlassen, einen Stellenwert hat er auch in Büchern, denn bei Gustavsburg mündet der Main in den Rhein.

Die Darstellungen blieben sich in den letzten 50 Jahren ähnlich, seit Sayn-Wittgenstein und seinem Buch „Der Main“. Landwirtschaft, die links und rechts vom Fluss immer mehr verdrängt worden ist von Raffinerien, Öltanklagern, Bootswerften, Wassersportklubs. Tatsächlich sehenswürdig die MAN-Siedlung. Der Name Gustavsburg aber geht zurück auf eine Festung aus dem Dreißigjährigen Krieg, 1632 angelegt durch den Schwedenkönig und Protestanten Gustav Adolf, wie man auf einem Stich Matthäus Merians sehen kann, dem katholischen Mainz direkt gegenüber, weshalb einer aus der Dynastie der Schönborn, Kurfürst Johann Philipp, die „Priestergeißel“ 1673 schleifen ließ. Was sich von der Schwedenschanze verwenden ließ, wurde auf der Bundesfestung Mainz verbaut. Verwertet wurde Gustavsburg schließlich auch durch Ludwig Braunfels, 1847 in seinem Buch über den Main, worin Gustavsburg weit mehr als nur der Endpunkt einer Reise war, vielmehr nationale Apotheose. Braunfels, 1810 in Frankfurt a. M. geboren, 1885 gestorben, schrieb für die „Rhein-Mosel-Zeitung“ und befand sich damit in einem ständigen Kampf gegen die Zensur. Von Braunfels weiß man, dass er Mitglied im Freien Deutschen Hochstift sowie Eigentümer der „Frankfurter Zeitung“ war.

Sein „Die Mainufer und ihre nächsten Umgebungen“ war geschrieben in der Manier des „malerischen und romantischen Deutschland“, wofür sich viele Anhaltspunkte ausmachen lassen – erzromantische auch zum Schluss, in Reaktion auf das eigene Vaterland, wenn der Autor zum Schwur anhob gegen die frechen Franzosen, die „lüstern ihre Hand ausstrecken“ zum Rhein. Ihn betrachtend, ließ sich der Autor mitreißen, als er meinte, dass an der Mainspitze „erst in den letzten Jahren“ ein „Bollwerk“ aufgebaut worden sei, „dass der Deutsche Bund künftigen Gefahren von Westen her entgegenstellte.“

Das Bauwerk gibt es. Leicht konkav geschwungen, zweistöckig, aus Sandstein, ist es keine Fiktion, sondern heute das Vereinsheim eines Segelclubs. Erstaunlich, dass das historische Bollwerk in der Mainliteratur der letzten 50 Jahre nicht auftaucht, ein Vorwerk gegen Frankreich. Aus der „malerischen“ Perspektive von Braunfels war der Main, ebenso wie der Rhein, also doch noch auf den letzten Metern ein Frontfluss, an seiner Mainspitze so etwas wie eine Speerspitze.

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