Zähne können nicht nur bei dieser Tätigkeit abbrechen.
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Zähne können nicht nur bei dieser Tätigkeit abbrechen.

Times mager

Gib Gummi - Die Feuilleton-Kolumne

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Kann Radfahren alle Probleme dieser Welt lösen? Nicht ganz, aber doch fast. Darauf einen Fruchtgummi.

Viele Menschen sagen, Radfahren sei die Lösung aller Probleme. Das stimmt so nicht.

Wenn in einer Tüte Fruchtgummi eines gewissen Herstellers seit Jahren unerbittlich die Lieblingsobstsortenaromen gegen absurde Neuerungen ausgetauscht werden (Maracuja!), dann kann auch die längste Radtour, die härteste Bergetappe nichts daran ändern. Abgesehen davon, dass einem die Zähne vom Fruchtgummikauen abbrechen, sobald man ein bestimmtes Alter erreicht hat.

Die Zähne. Vom Gummikauen. Ab. Zuletzt passiert in einer Redaktionskonferenz, die Mut für die Zukunft machen sollte. Und dann so was. Früher dachte man, das passiert mir nur, wenn ich Bierflaschen aufbeiße. Aber das nur am Rande.

Wer im Sommer mit dem Rad zur Arbeit fährt, wird bald feststellen, dass manche Probleme nur durch das Radfahren entstehen. Beispielsweise sollten Pedaleurinnen und Pedaleure möglichst keine hellen Hosen tragen. Strecken ab ca. fünf Kilometer Länge hinterlassen in der warmen Jahreszeit gern ein nasses Gesäß – auch mit dem als Wunderding beworbenen Fahrradsattel, der zwar ein Loch in der Mitte hat, sich jedoch bei Benutzung, etwa durch Radfahren, thermisch verändert: Er wird heiß.

Helle Hosen zeigen dann Spuren, die leicht fehlinterpretiert werden können. Daher: dunkle Ware zum Radfahren, übrigens auch oberhalb der Gürtelgrenze. Denn Mücken, Käfer, Aschgraue Labkraut-Blattspanner, Panther-Ameisenjungfern und ähnliches Geflügel sind oft sehr angetan von hellen Textilien, hinterlassen aber lästige Flecken beim Aufprall auf einen mit 27 km/h dahinjagenden Ausnahmesportler.

Es soll Leute geben, die weiße T-Shirts lieben, sogar einige weiße T-Shirts besitzen, ihre weißen T-Shirts jedoch seit Jahren im Schrank vergilben lassen: aus Angst, sie könnten ihre weißen T-Shirts im Gebrauch verschmutzen. Lassen sie sich dann doch hinreißen, an einem besonders mutigen Tag, an einem dieser Tage, an denen man vor lauter Mut, ja Übermut die Mütze verkehrt herum aufgesetzt hat, im übertragenen Sinne, als Zeichen der Verwegenheit, und sagen sich diese sonst in Weiße-T-Shirts-Fragen so zauderhaften Menschen: Hey, was soll’s, komm her, geh fort – heut’ zieh ich mal ein weißes T-Shirt an! Dann gibt es garantiert Spaghetti mit Tomatensoße in der Kantine. Oder Fruchtgummi.

Oder es knallt dir eine Stinkwanze beim Radfahren gegen die Brust. Das weiße T-Shirt liegt anschließend vier Jahre lang ganz unten im Wäschekorb und wartet traurig auf die Gesellschaft weiterer weißer Kleidungsstücke, bis sich der Waschgang lohnt.

Alle anderen Probleme auf der Welt lassen sich durch Radfahren selbstverständlich lösen.

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