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Und jetzt einen herzhaften Gugelhupf.

Times mager

Gugelhupf

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Was isst man am besten nach der Cremetorte? Wie hält man sich als Zahnarzt fit? Ein Times mager über Angewohnheiten.

Der habsburgisch sozialisierte Urgroßvater soll erhebliche Quantitäten von Cremetortenstücken verzehrt und anschließend erklärt haben: Und jetzt einen herzhaften Gugelhupf. Dieser Ausspruch ging als charakteristischer Gipfel alpenländischer Lebensfreude und auch Perversion in die Familiengeschichte ein – so dass Fremdheit gegenüber, Respekt vor und Sympathie mit den Österreichern ein für alle Mal auf den Punkt gebracht waren. Respekt? Essen Sie mal einige Cremetortenstücke, verlangen hernach einen Gugelhupf und halten dabei noch leichtfüßig die Schwebe zwischen Ironie, Lebensart und Gier. Der Satz konnte jederzeit zitiert werden, wenn etwas Maßloses sich anbahnte, wenn man womöglich sogar selbst etwas Maßloses im Sinn hatte, aber nichts Schlimmes natürlich. Es waren andere Zeiten.

„Jedem Tierchen sein Pläsierchen“, so pflegten dann die Richtung Berlin abgebogenen Nachkommen diese Anekdote zu kommentieren, und tatsächlich lesen wir in „Der Zahnarzt“ von Carl Wilhelm Ludwig Schmedicke, 1863, Band 18, Seite 32: „,Jedes Thierchen hat sein Plaisirchen‘, wie der Berliner sagt.“ Nun kann einen der Zusammenhang zwischen Cremetorten und Zahnärzten ganz angespannt machen, zu Recht. Bei Schmedicke geht es aber glücklicherweise um den gesundheitlichen Zustand der Zahnärzte selbst. Wie nämlich hält er sich in Form, um auch morgen noch kräftig einen Zahn herausziehen zu können? „Eine sonntägliche Excursion, eine anstrengende Abend-Arbeit, die so weit sich ausdehnt, dass der Körper zum Schweiss kommt, dann ein Bad oder eine Waschung kurz vor dem Schlafengehen, sie rütteln die erschlafften Lebensgeister besser und wohlthätiger auf, als eine Flasche Champagner oder ein halbes Dutzend Seide.“ Freilich – jedes Tierchen hat sein Plaisirchen, wie der Berliner sagt – wolle mancher lieber Whist spielen oder zum Kränzchen oder zum Gesangsverein. „Dass aber alle diese Vergnügungen nicht die weichende Gesundheit zurückbringen können, ja vielleicht noch weit schneller dem Endziele zuführen, ist sicher.“ Endziel, so heißt das also unter Zahnärzten.

Ferner blieb vom Urgroßvater, dass er sich mit Kreissäge und Stöckchen ins Kurstadtleben warf, zum Leidwesen des arbeitsamen Sohnes, den das provoziert haben soll, wie nur fidele Väter überanstrengte Söhne provozieren können. Denn im Prinzip hat das eine mit dem anderen ja nichts zu tun. Allein dem fitten Schmedicke entgehen Zusammenhänge nie und nimmer. Mindestens zwölf Fälle sind ihm bekannt, in denen der Schlagfluss Kartenspieler noch in selbiger Nacht heimsuchte.

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