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Lässt sich das digitale Konferenzwesen auch vom Klein- beziehungsweise Schrebergarten aus bewerkstelligen?
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Lässt sich das digitale Konferenzwesen auch vom Klein- beziehungsweise Schrebergarten aus bewerkstelligen?

Times mager

Gütle

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Hohe Zeit, aus dem Schrebergarten zu zoomen und demonstrativ Blättchen zu prüfen?

Es kommt jetzt natürlich verstärkt die Frage auf, ob das digitale Konferenzwesen sich nicht auch vom Klein- beziehungsweise Schrebergarten aus bewerkstelligen lässt, oder, um es mit einem schönen Wort des verehrten Kollegen F. aus Stuttgart zu sagen: vom Gütle aus.

Der Kollege F. ist derselbe, der vom „Schlägle“ spricht, wenn es um einen glücklich überstandenen Herzinfarkt geht. Und niemand wird bestreiten, dass der Infarkt sich sofort auf eine ganz neue, versöhnliche und bescheidene Art in eine Lebensgeschichte einordnet, wenn wir ihm den Kosenamen „Schlägle“ zuweisen. Das „Gütle“ kann übrigens ein durchaus weiträumiger Kleingarten sein, auch das Wort „Kleingarten“ schließt ja Größe keineswegs aus.

Wichtig ist, dass die Gütlebesitzenden oder auch nur -pachtenden im Gegensatz zu den Kleingärtnenden mit Fug und Recht in der Vorstellung leben können, so etwas wie ein Gut zu beackern, wenn auch ein bescheidenes, und das gibt denen, die in ihrer Gartenhütte beziehungsweise ihrem Gutshäusle oder zumindest Gütleshäusle sitzen, doch gleich ein ganz anderes Gefühl.

Das führt direkt zurück zur digitalen Konferenz, für die es ja keineswegs ohne Bedeutung ist, ob sich jemand als läppischer Schrebergärtner versteht beziehungsweise als Schrebergärtnerin, oder ob in der Selbstwahrnehmung etwas Gutsbesitzendes mitschwingt, das uns das Wichtigste an digitalen und allen anderen Konferenzen erheblich erleichtert: wichtig, wenn nicht gar wuchtig zu erscheinen.

Es wäre allerdings im Garten sehr genau über die optische Inszenierung der eigenen Konferenzteilnahme nachzudenken. Die volle Bücherwand, in gewissen Kreisen längst Pflicht, fällt quasi aus, es sei denn, wir bedienten uns eines künstlichen Hintergrunds, wobei jedoch zu beachten wäre, dass Bücherwand und Vogelgezwitscher nur begrenzt eine harmonische Einheit ergeben.

Was immer geht, ist der künstliche romantische Sonnenuntergang, aber gehen da nicht wichtige Potenziale verloren? Warum also nicht, eine bescheiden stolze Miene aufsetzend, vor dem prächtig gedeihenden Liebstöckel alias Maggikraut (alias Liebstöckle?) sitzen, demonstrativ den Geschmack eines Blattes prüfend, so offensiv, dass die gesamte Konferenz glaubt, das intensive Aroma einer Wirtschaftswunder-Allzweckwürze auf der Zunge zu haben?

Sehr schön kürzlich die Kollegin, die beim Konferieren wie in einem Experimentalfilm leicht verschwimmend durchs Bild hüpfte, den Wasserkocher in der Hand. Glauben Sie es ruhig: Der Arbeitsatmosphäre tat das nur gut. Das Treffen (gemeint ist natürlich: das Meeting) endete wie dieser Text mit dem schönen Satz „Das werden Spaghetti“.

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