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Kalte Krieger, heiße Küsse.

Times mager

„Ja, Servus Frühling, und sonst so?“

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Handgemenge oder doch wild rummachen? Wie man sich heutzutage begrüßt.

Ich grüße dich. Du grüßt mich. Er grüßt sie und es, sie grüßt ihn, es grüßt allenthalben, dass es eine Art hat. Wir grüßen uns beziehungsweise euch. Ihr grüßt euch respektive uns, sie grüßen sich, und wenn sie nicht gestorben sind, dann grüßen sie noch heute herzlich, und wenn sie doch gestorben sind, dann grüßen sie alle von oben.

Verkehrsminister Wissing begrüßt Erklärung zum Nahverkehr (SWR): „Hi, Erklärung zum Nahverkehr!“ Seniorengemeinschaft begrüßte den Frühling (Rhein-Zeitung): „Ja, Servus Frühling, und sonst so?“ Spahn begrüßt Debatte über Bluttests vor der Geburt (Merkur.de): „Guten Morgen, Debatte über Bluttests vor der Geburt.“ May begrüßt Putin-Trump-Treffen und erläutert warum (Sputnik Deutschland): „How do you do, Putin-Trump-meeting, just for fun.“ FDP Lünen begrüßt Eilantrag der GFL-Fraktion zum abgelehnten Grillverbot im Seepark Horstmar (Lokalkompass.de): Ächz …

Wenn man unseren Kollegen Lars, der in echt gar nicht Lars heißt, aus Versehen mit den Worten begrüßt: „Grüß dich!“, dann grüßt er sich verlässlich selbst („Hallo Lars“), außer an Tagen, an denen er die Kappe verkehrtherum aufhat, im übertragenen Sinne. Dann antwortet er, das sei nicht nötig, er habe sich bereits beim Frühstück begrüßt. In Bayern und Baden-Württemberg ergeht die Aufforderung, man möge Gott grüßen, ob man nun an ihn glaubt oder nicht. Wäre es in solchen Fällen nicht sinnvoller, man würde jemanden grüßen, bei dem man davon ausgehen kann, dass sie oder er existiert? Harvey?

In den USA fragt dich jeder Schuhverkäufer, wie es dir geht, aber als Tante Auguste anfing, von ihrem Rückenleiden zu berichten, von den Krampfvenen, den Stützstrümpfen, als sie einen Schlenker machte zu den diversen Abstufungen ihres Hautausschlags und bei nächtlichen Schweißausbrüchen ankam, da schien es den Amerikaner gar nicht mehr besonders zu interessieren, jedenfalls keine Nachfrage, nichts.

Wissen Sie noch, vor 30 Jahren? Eine Zeit, in der Personen aus Nato-Staaten sich die Hände schüttelten, mal länger, mal kürzer, je nachdem, ob und wie viele Kameras dabei waren, während Staatschefs aus dem Warschauer Pakt einander lange, leidenschaftliche Schmatzer auf den Mund gaben. Kalte Krieger, heiße Küsse.

Es sollte hier eigentlich nur darum gehen, dass man neuerdings nicht mehr weiß, ob man anderen Männern ganz normal die Pfote schüttelt oder ob es zum sportlich klatschenden Ineinanderschlagen der Handflächen kommen soll, wie es auf Fußballplätzen inzwischen Usus ist. Aber irgendwie ist der Text aus dem Ruder gelaufen. Meist endet es jedenfalls in einem peinlichen Handgemenge. Freundschaft!

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