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Eine smaragdgrüne Bankerlampe hatten früher wohl so einige Menschen.
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Eine smaragdgrüne Bankerlampe hatten früher wohl so einige Menschen.

Times mager

Grünlicht

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Wollen wir nicht alle eine haben? Auch wenn wir bis eben nicht einmal ihren Namen kannten? Loblied auf eine besondere Leuchte.

Wie wir so dasitzen in unseren Dachkammern, wie wir uns in die Bürosessel lümmeln, sofern wir derart vom Schicksal geküsst sind, in uralten Zeiten sündhaft teure Bürosessel gekauft zu haben, denn wer kauft sich bitte eigens für eine Pandemie einen sündhaft teuren Bürosessel – wie wir also im Zuhausebüro fläzen unter Dachfenstern, die eine übertrieben dicke Altschneeschicht beharscht, da wünschen wir uns doch alle nur: eine Bankerlampe. Oder?

Eventuell wussten viele von uns vor kurzem noch gar nicht, wie sie heißt. Schade, vor kurzem hätte man ein Times mager über die Bankerlampe nämlich noch damit rechtfertigen können, dass Harrison D. McFaddin vor genau 111 Jahren den US-Markt mit ihr illuminierte, in der Stilepoche des Art déco, unter dem Namen Emeralite, einem Kombinationsbegriff aus Emerald (Smaragd) und Light, umgangssprachlich Lite (Licht).

Smaragd, weil: Sie ist grün. Ihr Schirm ist grün. Wirft gedämpfte Unterwasseratmosphäre in den Raum, jedoch behagliches Arbeitslicht über den Schreibtisch. Auf ihrem Lampenfuß aus Messing stand sie lange Zeit in den meisten Amtsstuben, Bankbüros, daher der Name Bankerlampe, und natürlich auch in den Redaktionen, in denen feine Texte erdacht und auf Schreibmaschinen getippt wurden. Tipptipp, fertig, rararatsch, Papier raus aus der Schreibmaschine, Feierabend, die Bankerlampe vermittels einer ebenfalls messingfarbenen kleinen Ziehkette ausgeschaltet. Gute Nacht. Das Stromkabel von einem Stoffmantel umkuschelt.

Und dann guten Morgen, Neonlicht. Als die moderne Bürobeleuchtung kommt, steht die Bankerlampe noch als Dekorationsobjekt herum, fängt Staub und zieht sich allmählich zurück in die amerikanischen Spielfilme der 60er und 70er Jahre. Dort aber taucht sie weiterhin gern auf. Leider fällt einem nie der konkrete Film ein, in dem man sie erst gestern wiedergesehen hat (und natürlich bei Sebastian Pufpaff im feinen täglichen Fünfminüter „Noch nicht Schicht“ auf 3Sat), aber sie löst eine sanfte Sehnsucht aus, den Wunsch, selbst eine elegante Bankerlampe zu besitzen (wenn nicht gar: eine Bankerlampe zu sein!). Hundertprozentig spielte sie in „Die Unbestechlichen“ mit und in „Lou Grant“, auch wenn dieses nutzlose Internet auf die Schnelle keine Belege liefert. Stand sie im Oval Office bei Präsident Kennedy auf dem Schreibtisch? Und ob!

Eine schöne Beschäftigung: einander Spielfilme aufzählen, in denen eine Bankerlampe mitgewirkt haben könnte. Der Zeitpunkt ist auch gar nicht mal so falsch: 1901, also vor 120 Jahren, ließ Harrison D. McFaddin seine Emeralite patentieren. Er war schon eine Leuchte.

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