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Blau Blüten wirken auf uns Menschen besonders anziehend.
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Blau Blüten wirken auf uns Menschen besonders anziehend.

Times mager

Grünblüher

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Am liebsten guckt der Mensch auf Pflanzen, die prächtig und blau blühen. Wie ungerecht.

Gunnera hamiltonii ist eine kriechende krautige Pflanze aus der Familie der Gunneraceae, deren kleine graubraune Blätter eine dichte Matte bilden. Auf kleine grüne Blüten folgen im Herbst rote Beeren.“ (Wikipedia) Kleine graubraune Blätter, grüne Blüten? Nicht mehr als einen halben Blick warf die Reisende auf Gunnera hamiltonii zu ihren Füßen. Und auch nur einen weiteren halben Blick, als eine neuseeländische Biologin auf die extreme Seltenheit dieser Pflanze aufmerksam machte. Okay, und wo sind die Orchideen, die es hier angeblich auch gibt? Ach, die blühen klein und weiß? Na ja. (Stellen Sie sich hier eine Reisende vor, die ihren Fotoapparat diskret wieder in der Tasche verschwinden lässt.)

Der Italiener Martino Adamo beschäftigte sich mit der ebenfalls raren Tephroseris balbisiana, einer Pflanze, die er als „nicht gerade schön“ beschreibt, als ihm auffiel, dass Tephroseris in wissenschaftlichen Arbeiten kaum je erwähnt wird. Ja, es kam ihm vor, dass unscheinbare Arten bei Forschenden überhaupt schlechte Karten haben.

Um die Hypothese zu prüfen, bewertete ein Team um Adamo erst einmal 117 in den südwestlichen Alpen endemische Pflanzen nach Beinlänge, äh, Stängellänge, Größe der Blütenblätter und Farbe. Wertete anschließend 280 Studien aus 45 Jahren aus. Und stellte fest: Am eifrigsten wurde über große blaue oder violette Blumen geforscht. Das Team nannte es „ästhetische Voreingenommenheit“. Nein, versicherte Adamo, das sei nicht als Kritik gemeint. Der Mensch sei halt so.

Schließlich schrieb schon Novalis nicht: „Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtgrüne Blume, die (...) ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der köstliche Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die grüne Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit.“ Sonst würde man ja jetzt im Deutschunterricht von der grünen Blume der Romantik sprechen. Aber vielleicht fänden Schulkinder genau deswegen, dass diese Romantiker eigentlich ziemlich abgefahren waren. Und würden sich als Zeichen der Rebellion gegen Rittersporn, Glockenblume, Gladiole im elterlichen Garten einen Frauenmantel oder eine grüne Nieswurz ins Knopfloch stecken. (Letztere nicht ohne Hinweis auf ihren Namen, denn ist das arme unattraktive Ding nicht doppelt gestraft?)

Hier noch Pflanztipps für alle, die, um mit der Mode zu gehen, ihren Vorgarten mit Kieselsteinen zugeschüttet haben (Motto: wenn schon Artensterben, dann richtig): Die Nachbarschaft wird staunen, wenn sie stattdessen Gewöhnlichen Beifuß, Strahlenlose Kamille, Kohl-Kratzdistel, Traubenkraut oder Ackerschachtelhalm setzen. Wir schwören, wir lügen hier keine blauen Blumen vom Himmel.

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