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Ein hübscher Vogel aus dem Eozän, gefunden in der Grube Messel.

Times mager

Grube Messel

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Was vor 47 Millionen Jahren geschah.

An einem aufgewühlten Ort im Hessischen, rund um die „Grube Messel“, haben die Menschen einige Zeit ins Land gehen lassen, um das Erdaltertum auch hier zu würdigen. Weil aber eine offene Grube nicht so ohne weiteres zu verstehen ist, hat sie seit 2010 auch ein Museum, das Besucher damit vertraut macht, dass das Erdaltertum auch im Odenwald verschiedene Epochen hatte, darunter das Eozän. Als eine Ära des stark ausgeprägten Vulkanismus bildet das Eozän für die „Grube Messel“ so etwas wie die Wiege, die auch schon vor rund 140 Jahren, als das Waldgebiet bei Darmstadt industriell erstmals ausgebeutet wurde, 47 Millionen Jahre alt war.

Aus dieser Ferne bezog die Grube all ihre Reichtümer, Wirbeltiere mit Haut und Haaren, Käfer, die in Regenbogenfarben schillern. Besucher verlassen Messel mit dem Wissen, dass die Periode der Rohstoffgewinnung, nachdem 1875 Reste eines Krokodils aus der Eozänzeit geborgen werden konnten, mit dem Abbau von Braunkohle begann. Was 1884 mit der Ausbeutung aus dem Ölschiefer seine Fortsetzung fand, wurde 1971 endgültig eingestellt.

Man kann sich darüber ausführlich in dem Museum informieren. Also auch darüber, dass die Grube mit Müll verfüllt werden sollte und dass allein beharrlicher Bürgerprotest, der 15 Jahre nicht nachließ, Hessens Landesregierung ein Bodendenkmal abrang, das die Unesco 1995 in ihre Liste des Weltnaturerbes aufnahm. Ein Grund, warum „Ida“, das Uräffchen, oder Propalaeotherium, das Urpferdchen, zu den „Champions von Messel“ wurden. Sie sind es sehr konkret, ohne deswegen auch angefasst werden zu können.

Messel ist heute eine Welt aus Museum und Bodendenkmal. Zum Gesamtkunstwerk von Messel gehören die Ytong-Betonstelen aus Messels Industrieära, die den Grubenabhang hinunterlagern, bleich wie Mammutstoßzähne. Dort, wo vor Jahrmillionen ein Vulkan ausbrach, zeigt sich der Messelsee als stilles Wasser, von dem es heißt, dass es tief ist.

Alles, was sich in der heutigen Weltgegend ringsherum abzeichnet, ging aus einem Maarvulkan hervor, einer Eruption, die eine Zäsur bildete, ohne dass bereits Wochentag oder Datum eingeführt gewesen wären. Dennoch braucht der Mensch gerade unter solchen Bedingungen Anhaltspunkte, um sich wenigstens ein wenig orientieren zu können. Aus diesem Grund ist mit Blick auf die Anfänge von Messel vor 47 Millionen Jahren von einer Wiege die Rede, in der eine Eruption ausbrach. Metaphern sind, man ahnt es an diesem Ort, Welterklärungsversuche.

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