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Im Geistertal begegnet der Mann – der Geisterhexe. Hier ein Exemplar von Friedrich Dürer.
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Im Geistertal begegnet der Mann – der Geisterhexe. Hier ein Exemplar von Friedrich Dürer.

Times mager

Groteskschrift

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Erinnern Sie sich noch an den Roman „Im Geistertal“ und seine dunklen Geheimniffe? Pardon, Geheimnisse.

Und damit zurück zur Unterfcheidbarkeit von Buchftaben, Pardon, Unterscheidbarkeit von Buchstaben, in Druckwerken auf dem srühen 20. Jahrhundert. Verslixt! Aus dem frühen! Das s und das f konnte in der Schrift von einst nur auseinanderhalten, wer Hellseherin oder Letterman war. Dazu der schriftgelehrte FR-Leser Albert E. aus W.: „Schaftstiefelgrotesk.“ Eine sogenannte gebrochene Groteskschrift.

Nur unwesentlich besser unterschieden sich S und G, wenn es beispielsweise um die Gehnsucht im Seistertal ging. Sie ahnen es, wir sind wieder zu Gast in Anny Wothes vor 100 Jahren gedrucktem Roman „Im Geistertal“. Voriges Mal versprach Don Jamos y Cole, auf dem ein dunklef Seheimnif laftet, Verzeihung, ein dunkles Geheimnis, die Finger von der jungen Simoneta (sie ist wie eine Rose im Tal, der ein Feuertrunk entquillt) zu lassen.

Er versprach es dem Frater Tamadeus auf Seite 43. Jetzt weiter im Text. „Und der Heiland am Kreuz mit den blutigen Nägelmalen an Füßen und Händen blickte so mild, verheißungsvoll auf den Mann, der tiefgesenkten Hauptes aus der weiten Felsenhöhle zurück in den dunklen Gang schritt, dem Ausgang der Felsenhöhle nach dem Geistertale zu.“

Dort begegnet der Mann – der Geisterhexe! Wir erinnern uns: „Süß und betörend soll ihr Lachen sein, und wen ihr Auge erschaut, der scheidet vom Leben.“ Das mit dem Lachen trifft zu, über dem Kopf trägt sie aber eine Kapuze, so dass ihr Blick vorerst nicht letal wirkt. Außerdem tritt die Hexe des Tales offenbar als Duo auf, es ist eine Dame an ihrer Seite. Unserem mysteriösen Helden, dem Don, eröffnet sie, seine Seele sei in ihrer Gewalt. Er müsse der Einsamkeit entsagen, um sich aus ihrem Banne zu erlösen.

Er dazu: „Entlaß’ mich aus deiner Haft, (…) denn nie werde ich der Sklave eines Weibes sein!“ So geht das in einer Tour. Und eine Frau hat’s geschrieben. Dann will der Don auch noch, dass die Talhexe die Kapuze abnimmt, „so laß mich dein Geficht fehen, um darin zu lefen!“ – nein, ach, herrje, Sie wiffen schon. Die fremde Dame (die Hexe!?) wirft die Kapuze ab, es ist natürlich Prinzessin Celeste, wir hatten es geahnt. Sie langweilt sich im Exil, im Schloss der Rosen. Doch das Auge des Don hängt nun am „lichtblonden Gelock“ der jungen Hofdame Celestens, „das wie ein leuchtender Turban in goldenen Wellen die weiße Stirn umwand“. Endlich wieder Adjektive.

Jamos zieht schließlich, ohne sich dafür entschuldigt zu haben, fremde Damen einfach Hexe zu nennen, ehe sie die Kapuze abnehmen, von dannen. Der Prinzessin reicht’s. „Die Gefangenschaft hat hier ein Ende, liebes Kind. Morgen fahren wir nach Palma!“ Das gibt wieder Ärger, ganz gewiff.

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