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In Hamburg machte eine fast ausgestorbene, folglich hier ehrenhalber zum großen Tier erklärte Wildbienenart Furore: Andrena nigriceps.

Times mager

Große Tiere

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Zum Jahreswechsel in die Wüste geschickt wurde nicht nur Londons Dippy, sondern auch ein Salzwasserkrokodil in Australien.

Er hat in „Paddington“ dem läppischen Stoffbären seinen Charakterkopf entgegengehalten. Er hat lässig mitgespielt in „Night at the Museum“, Teil III. Er geistert bestimmt vieltausendfach durch heimische Fotoalben und durch Facebook. Er hat rund 150 Millionen Jahre auf dem Buckel und ist, was ihm die Menschheit erst einmal nachmachen muss (manche meinen: sollte), ausgestorben. Er wird seit gestern trotzdem abmontiert, in Kisten verpackt und auf eine „Abschiedstournee“ durch Großbritannien geschickt, als wäre er nur irgendein gealterter Popstar.

Die Welt ist ungerecht, schon wieder und gleich zu Beginn des Jahres 2017. Wo, bitte schön, bleibt ein Shitstorm darüber, dass Diplodocus, liebevoll Dippy genannt und seit 112 Jahren Wahrzeichen des Natural History Museums in London, dem Skelett eines Blauwals weichen soll? Alle 292 Knochen! Einem Wal! Und das nur deswegen, weil der Blauwal „echt“ sei und Dippy ein Nachbau aus Gips. Es gehe um Authentizität, behaupten die Verantwortlichen, da lachen doch die Hühner, die übrigens direkte und authentische Sauriernachfahren sind („Studie: Wenn man Hühnern Schwänze ansteckt, laufen sie wie Dinosaurier“. Na bitte). Der Blaue hat im Vergleich zu Dippy einen Stiernacken und den provisorischen Kosenamen „Bluey“– da ist ja die deutsche Polizei kreativer.

Zum Jahreswechsel in die Wüste geschickt haben auch die Einwohner von Karumba, Australien, ein großes Tier. Ein dreieinhalb Meter langes Salzwasserkrokodil habe sich auf Karumbas Promenade gesonnt (Fotos lassen vermuten, dass Karumba froh sein kann, wenn sich irgendwer auf seiner Promenade sonnt, aber das nur nebenbei). Nachdem es nichts half, dass Einwohner einen Zaun aus umgelegten Mülltonnen bauten, der nur zum Wasser hin offen war (das Krokodil hatte die Schnauze voll von mehr Meer), riefen die Karumbaner Beamte der Naturschutzbehörde zu Hilfe. Die schickten das Krok auf Abschiedstournee, äh, ins Reservat.

Indessen machte in Hamburg eine fast ausgestorbene, folglich hier ehrenhalber zum großen Tier erklärte Wildbienenart Furore. Auf dem Helmut-Schmidt-Airport wurde Andrena nigriceps entdeckt, von einem Bienenexperten, den dpa zitiert: „Damit war nicht zu rechnen.“ Letztmalig sei diese Biene 1938 in Hamburg gesichtet worden. Wildbienen seien zum Teil deswegen stark bedroht, fügte er noch hinzu, weil sie als Nahrungs- und Nestbauspezialisten „höchst anspruchsvoll“ lebten.

Anspruchsvoll leben und zum Beispiel ein Flugzeug in Richtung Mar-A-Lago besteigen, das lässt sich hier allerdings. Anders als auf der Promenade von Karumba.

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