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Der Groschen ist gefallen.
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Der Groschen ist gefallen.

Times mager

Groschen

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Von barer Münze, großer Münze und anderen Währungsfragen.

Die Musik in deutschen Fußgängerzonen ist ja durch das Ende des Ost-West-Konflikts nicht gerade schlechter geworden. Wenn Sie einen dieser virtuosen Geiger oder Trompeter oder was auch immer mal fragen, woher er kommt, dann wird sich meistens herausstellen, dass er seine Ausbildung in einem osteuropäischen Land oder gar in einer ehemaligen Sowjetrepublik genossen hat, deren Währung allerdings anders als ihre Kultur hinter dem Euro-Raum ein wenig zurückgeblieben ist.

Kürzlich hatte einer neben der Mütze für die Münzen ein Pappschild aufgestellt, auf dem stand: „Wenn der Groschen felt – Danke!“ Aber statt nun zu behaupten, der Mann sei zwar offenbar deutscher Redewendungen, nicht aber deutscher Rechtschreibung mächtig, sollten Sie sich das „felt“ lieber auf der Zunge zergehen lassen.

Fertig? Jetzt spüren Sie, wie sich in der Wortschöpfung „felt“ die Begriffe „fehlt“ und „fällt“ zu einer harmonischen Symbiose fügen, die die beiden wichtigsten monetären Aspekte des Straßenmusizierens in sich vereint: Erst fehlt er dem Musiker, der Groschen, dann fällt er, und das gleich zweimal, nämlich zunächst im Kopf des Passanten und gleich anschließend in den Hut des Musikanten.

Das Problem ist allerdings, dass vielleicht die Jüngeren unter uns fragen werden: Was ist ein Groschen? Ein Groschen, liebe Kinder, ist etwas ganz, ganz Altes. Irgendwann vor mehr als 700 Jahren wurde er erfunden, weil die noch älteren Münzen an Wert verloren hatten und die neuen metallhaltiger, also dicker werden sollten, und „dick“ heißt auf Lateinisch nun mal „grossus“. Groschen gefallen?

Das Ding war früher so wertvoll, dass Ludwig van Beethoven ein ganzes Klavierstück mit dem Titel „Wut über den verlorenen Groschen“ schrieb, das er allerdings gar nicht selbst so genannt haben soll, sondern jemand anders, aber das führt jetzt zu weit.

Später kamen dann noch größere Münzen, und der Groschen wurde im Verhältnis immer kleiner. In Deutschland war er zehn Pfennig wert, und das war nicht sehr viel. Man brauchte zum Beispiel zwei Groschen, um mit einer riesigen Maschine in einem gelben Häuschen jemanden in derselben Stadt anrufen zu können. Oder einen für einen Kaugummi, und der kam erst raus aus dem Automaten, wenn der Groschen gefallen war. So ähnlich wie in euren kleinen Hirnen, wenn ihr mal etwas kapiert, liebe Kinder.

In Polen gibt es den „Grosz“ immer noch, aber er ist auch nicht so wahnsinnig wertvoll, hundert davon machen einen Zloty, und das will der Musiker ja gerade nicht. Recht hat er.

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