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Größer, länger

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Das Rauchen auf der Bühne wirkt auf viele Menschen abstoßend, aber es fällt schwer, den erforderlichen Furor zu entwickeln, wenn es einem selbst etwas wurscht ist.
Das Rauchen auf der Bühne wirkt auf viele Menschen abstoßend, aber es fällt schwer, den erforderlichen Furor zu entwickeln, wenn es einem selbst etwas wurscht ist. © Imago

Worüber man noch schreiben könnte: Den Trend zur Nacktdatingshow. Das Zigarettenrauchen auf Theaterbühnen. Trotzdem sind heute kleingedruckte Iban-Nummern an der Reihe.

Eine Spalte, die an jedem Erscheinungstag der Zeitung vorgesehen, deren Inhalt aber verhältnismäßig wenig festgelegt ist, wird automatisch zum Sammelbecken (Reagenzfläschchen) für unterschiedlichste Anregungen. Aktuell kommt der Vorschlag rein, sich einmal mit dem Nacktdatingshowtrend in Teilen des englischen Fernsehens zu befassen. Das ist in der Tat recht abstoßend, natürlich auch komisch, und natürlich wird man auch verlegen, wenn man liest, wie das im Einzelnen funktioniert. Längen und Größen spielen hier eine zentrale Rolle, wie sich denken lässt.

Zum Ende der Theatersaison gab es zudem einen weiteren Vorstoß zum Thema Rauchen auf der Bühne. Auch das Rauchen auf der Bühne wirkt auf viele Menschen abstoßend, aber es fällt schwer, den erforderlichen Furor zu entwickeln, wenn es einem selbst etwas wurscht ist. Sogar eigentlich nicht nur wurscht. Wenn man nämlich insgeheim sogar Sympathien mit den Theatern hegt, die heutzutage auf Teufel komm raus selbst die an TBC sterbende Mimi noch rasch eine Fluppe rauchen lassen. Einfach deshalb, weil Mimi heute vermutlich nicht einmal auf ihrem winzigen Balkon rauchen könnte, ohne dass ein Nachbar ihr zu allem noch eine Anzeige an den Hals schicken würde.

Dabei ist es allerdings sehr störend selbst in einem großen Saal, da der Rauch einer einzigen Zigarette sich allen Ernstes mit der Zeit systematisch in alle Winkel verteilt. Was die Größenordnung betrifft, gilt hier: Ein Sänger, der eine Zigarettenlänge Zeit hat, bis er wieder ran muss, bekommt vom Regisseur allemal die Ansage, sich eine anzuzünden.

Eher entgegen kommt uns jedenfalls, dass W., ein gut sortierter Mensch mit weitreichenden Bankverbindungen, bereits mehrfach verlangt hat, die Größe der Iban-Nummern auf brieflichen Vordrucken zu thematisieren, nein, anzuprangern. Denn es geht nicht um die Größe, sondern die Winzigkeit, mit der Iban-Nummern, ihrerseits verteufelt lang, länger-geht-es-nicht-lang, abgedruckt werden. Es fand sich mit Leichtigkeit auch im heimischen Haushalt ein entsprechendes Exemplar. Schwierig war es, ein Lineal beizuschaffen. Online-Lineale, ein weites Feld.

Die Stunden später dann doch noch erfolgte Vermessung ergab eine Buchstabengröße von 2 Millimetern, das sind circa 5,6 Punkt. Aus Sicht einer in 10-Punkt-Schrift gedruckten Zeitungsspalte, raffen wir uns dazu auf, laut und deutlich zu erklären: Ja, das ist echt klein. Noch kleiner war nur die Servicenummer, 1 Millimeter. W. muss Letztere komplett unter die Wahrnehmungsgrenze gerutscht sein.

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