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Richard Wagners Partitur-Erstschrift zu Siegfried-Idyll.
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Richard Wagners Partitur-Erstschrift zu Siegfried-Idyll.

Times mager

Grillen

Mancher schätzt die Qualitäten einer MP3-Datei nicht. Er muss eine große Wohnung und ein romantisch eingestelltes Herz haben.

Kürzlich wurde an dieser Stelle erneut klargestellt, dass Pimpernellen beziehungsweise Bewohner von Wohnungen ab 150 qm aufwärts lieber keine MP3-Dateien hören, sondern nach Ersatzteilen für ihren Plattenspieler jiepern und nach ihren Langspielplatten, welche einstweilen offenbar in rauen Mengen in raumgreifenden Regalen und / oder auf Dachböden – Wohnungen ab 150 qm aufwärts mit Dachboden also – eingelagert wurden. Und von dort aus die Statik der Gebäude gefährden. Wer einmal mit einer Schallplattensammlung umgezogen ist, weiß, dass Taschenbuchkisten sich neben Schallplattenkisten wie ein Plumeau tragen. Den großzügig wohnenden, mit ihren Grillen befassten Romantikern, die vermutlich auch nicht nachschauen müssen, wie man Plumeau schreibt, dürfte das gleichgültig sein.

Dabei ist seit jeher das interessantere Thema bei der Wahl des Tonträgers die Zeiteinteilung, die dieser mit sich bringt, die Schneise, die er in die Musik schlägt, während freilich unser dachbodenbesitzender empfindsamer, aber orthografisch sattelfester Schallplattenfreund vermutlich überschaubare Popsongs auflegen möchte (oder eben mürrisch anklickt). Merke: Auch die Long Version eines Popsongs ist nichts gegen einen Wagner-Akt. Im Wagner-Seminar – einem Wagner-Seminar, das ein wenig aus dem Ruder lief – teilte ein eifriger Kommilitone „Tristan und Isolde“ seinerzeit nicht in die üblichen Aufzüge ein, sondern sagte etwas ungeduldig zum Professor: „Sie wissen schon, welche Stelle ich meine, vierte Platte, Vorderseite, gleich am Anfang.“

Der Professor, der im Klavierauszugszeitalter feststeckte, wusste keineswegs. Bis heute spürt der Operngänger, wie an bestimmten Wagner-Stellen die Kassette zu Ende war, aber bei den Platten waren die Einschnitte markanter, weil permanent gewendet wurde. Schon die vierte Kassetten-Seite indes konnte hingegen unter Umständen (Puccini) gemischten Bonus-Tracks gewidmet sein: veristischen Intermezzi etwa, so dass im Kopf bis heute „Mein Freund Fritz“ und „Cavalleria Rusticana“ durcheinanderkullern. So wie Liszts „Ungarische Rhapsodien“ (A) und Brahms’ „Ungarische Tänze“ (B) nicht zu unterscheiden sind. Ärgerlich.

Ach, und inwiefern lief das Wagner-Seminar ein wenig aus dem Ruder? Weil eine junge Frau schluchzend über dem Tisch lag und ein junger Mann mit steinernem Gesicht aus dem Raum eilte. Weil der Professor verlegen sagte: Fassen Sie sich. Exaltationen und Indiskretionen, die beim dezenten Einsatz eines MP3-Spielers ausbleiben oder jedenfalls keine Fremden miteinbeziehen.

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