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Eine Erkenntnis: Kühe! Kühe! landen auf dem Grill.

Times mager

Grillen

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Erinnerungen an Sommerausflüge, das Grillen und Sonntagnachmittage mit den American Top 40. Details comin' up.

Es gibt Zeitungsartikel, die schreiben sich selbst, im Schweinsgalopp oder mit einem rindswurstförmigen Grinsen im Gesicht, weil die Überschrift bereits drübersteht. Im heutigen Fall erfreut sich der Text nicht nur an der puren Doppeldeutigkeit seines Titels, er erinnert sich auch gern daran, dass früher zu Sommerausflügen die Frage gehörte, ob die Grillen zirpen oder vielmehr die Zirpen grillen.

Die Vorstellung, dass es Tiere (oder Leute?) gab, die Zirpen hießen, höchstwahrscheinlich eine gewisse Affinität zur Zikade aufwiesen und mit Schürze sowie Fleischzange am Grill standen (Flasche Bier in der Hand, Sonnenbrille etc.), diese Vorstellung ist eine der zweitschönsten Erinnerungen im Zusammenhang mit Sommern von einst.

Die erstschönste Erinnerung bleibt die Erzählung der Großmutter, dass die Enkel früher so klein waren, dass sie auf dem Rücksitz im Auto standen, gerade so aus dem Hinterfenster hinausschauen konnten und immer „Kühe! Kühe!“ gackerten, wenn eine Alm mit dem entsprechenden Ensemble vorüberzog.

Fahren ohne Gurt

Kindersitze und Gurte hinten gab es nicht. Das hat sich grundlegend geändert, ebenso die öffentliche Rezeption des Umgangs mit dem Grill. Zündelte man zu Struwwelpeters Zeiten noch hemmungslos, so warnt der Verein Paulinchen e.V. heute vor Brennspiritus mit drastischen Plakaten (riesiger Feuerarm vom Grill schnappt sich Kleinkind). Leider konterkariert der Hersteller eines koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks die Bemühungen Paulinchens ein wenig. Seine Plakatversion: Verkohltes Männchen mit Spiritusflasche am Grill, dazu die Überschrift „Hauptsache wach“.

Die drittheißeste Erinnerung an Sommer, Frühling, Herbst und Winter von einst sind Sonntagnachmittage im Jugendzimmer mit den American Top 40. Diese Radioshow lief im Ami-Sender AFN. Der Moderator spielte zur Freude aller Kassettenrekorderbesitzer die Lieder bis zum letzten Ton aus und quatschte kaum rein. Er hieß Casey Kasem, erzählte zwischen den Hits lange Geschichten über die Sänger und sagte oft diesen einen Satz, dessen Lautfolge uns Siebtklässlern vertraut war wie Mamas Gutenacht, dessen Bedeutung uns aber erst viele Jahre später klar werden sollte: „Details comin’ up“. Einzelheiten folgten in der Tat, im AFN und auch im Leben. Dass Kühe! Kühe! auf dem Grill landen, war eine Erkenntnis, dass nichts ewig währt, eine andere.

Casey ist dieser Tage gestorben. Furchtbar traurig. Seinen legendären Schlusssatz werden wir nie vergessen: „Keep your feet on the ground and keep reaching for the stars“. Details folgen sicher.

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