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So etwas nennt der  Schweizer einen übersichtlichen Straßenverlauf.

Times mager

Greisel

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Die Reise geht weiter: Im italienisch-schweizerischen Grenzgebiet bekommt der Begriff Teutonengrill eine ganz neue Bedeutung. Die Feuilleton-Kolumne.

Sommerzeit, Reisezeit, tempo di sorprese mit und ohne Kraftfahrzeug. Vorige Woche hatten wir es von badischen Straßen, die alle denselben Namen tragen, nämlich Einbahnstraße, jedenfalls aus Sicht asiatischer Individualreisender. Heute führt uns der Weg weiter ins italienisch-schweizerische Grenzgebiet, wo die Hotelzimmer nachts genauso heiß sind wie im Badischen, die Deckenventilatoren hypnotisch fürs Auge, doch wirkungslos fürs Raumklima.

Eigene Getränke in der Minibar zu kühlen ist streng untersagt (fünf Euro Konventionalstrafe pro Tag, wenn’s rauskommt). Der ausgemergelte Gast verfällt auf die Variante, die Aggregate aus seiner (sicher ebenso illegal mitgeführten) Kühlbox in der ohnehin nur relativen Schattigkeit der Minibar zu deponieren und, sollte er auch dafür zur Rechenschaft gezogen werden, zu kontern: Die Kältespeicher legen wir uns nachts ins Bett, um nicht in Ihrem saunischen Gemach zu entschmelzen, Signore. Es erhalte hier der Begriff Teutonengrill eine ganz neue Bedeutung und damit arrivederci.

Auf der Flucht aus Italien zeigt sich im weiteren Verlauf, dass der italienische Schweizer am Steuer eines Personenkraftwagens dem echten Italiener in nichts nachsteht. Er jagt die Ortsfremden filmreif durch die Serpentinen, überholt an Stellen, die anderen Chauffeuren zu eng erscheinen, als dass zwei Murmeltiere aneinander vorbeikämen, und zwingt nach dem Überholvorgang, selbst wenn er ein Greis mit Schnurrbart ist, die Touristen wütend zur Vollbremsung, mit beiden Armen gestikulierend, ehe er in die nächste Schlucht abbiegt. Vermutlich wird das so in den Fahrschulen der italienischen Schweiz gelehrt. Man will sich verkehrstechnisch ja nicht von Genuesern und Piemontesern abhängen lassen.

Der weitere Weg in die Alpen ist derart gepflastert von Kreisverkehren, dass, wer geistig gesund bleiben will, der Dame im Navigationsgerät irgendwann den Mund verbieten muss. Sie quasselt in einer Tour die Reisenden in die Rondelle hinein und wieder hinaus, bis der Satz „Fahren Sie in den Kreisverkehr in 300 Metern“ wie eine der neuerdings elf Plagen erscheinen muss. Ganz zu schweigen vom Verhalten italienischer Schweizer und Schweizer Italiener in Verkehrskreiseln.

Erfahren Sie hier demnächst: Woher freundliche Verkehrspolizisten stammen, die im edelsten aller Schweizer Skiorte die Zufahrt zum Treffen britischer Oldtimerbesitzer regeln, wo T-Shirts mit Schweizerkreuz für 5,95 Franken („Superprix“) gefertigt werden und ob unsere Herbergsmutti inzwischen mit ihrer Begrüßungsrede fertig ist. Grüezi miteinand.

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