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Ferdinand Gregorovius, 1821 - 1891, ein deutscher Schriftsteller und Historiker.
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Ferdinand Gregorovius, 1821 - 1891, ein deutscher Schriftsteller und Historiker, hoffte auf ein „bescheidenes“ Reich.

Times mager

Gregorovius

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Schon 1848 vertrat Ferdinand Gregorovius die Ideale der Demokraten. Über den Weitblick eines Privatgelehrten.

Anders als 1870/71 der Hurrapatriotismus, in den Zeitungen nicht weniger hemmungslos als auf der Straße, hielt Ferdinand Gregorovius auf Abstand. Distanz von Rom aus, als Privatgelehrter, als Journalist, als Verfasser einer Geschichte der Stadt Rom. Ein vielbeachtetes Werk, auch wegen der immensen literarischen Fähigkeiten des Autors.

Der Titel „Deutsches Reich“, seine Neugründung betreffend, schien Gregorovius eine glückliche Wahl. War es doch eine bescheidene Bezeichnung, kein „pomphafter Titel“ wie der erste. Den hatte ein Voltaire bespöttelt, nämlich das bis 1806 existierende „Heilige römische Reich deutscher Nation“, den der Aufklärer Wort für Wort als unwahr bezeichnet hatte: „weder heilig noch römisch noch deutsch noch ein Reich“. Reich und Nation eine Fiktion.

Gregorovius empfahl in seiner Rede zur Reichsgründung Distanz. In dem Chor von Historikern, die ein kolossales preußisches Sendungsbewusstsein an den Tag legten, sprach Gregorovius von Deutschland. Anders als solche Historiker, die ihre Disziplin, die deutsche Geschichtsschreibung, drillten, um sie auf eine preußische Perspektive zu verpflichten, der Tagespolitik zu Diensten, stand Gregorovius ein ganz anderer Horizont vor Augen: Europa. Sein Blickwinkel bedeutete Weitblick.

Gregorovius begleitete seine Zeit durch Leitartikel, er nahm Partei für den Freiheitskampf in Italien. Schon 1848 vertrat er die Ideale der Demokraten. Als der Kulturhistoriker 1874 aus Rom nach Deutschland zurückkehrte, entschied er sich für München, der anregenden Umstände wegen: wegen der Bibliotheken, der Kunstsammlungen, der Nähe zu Italien – bei allem Distanz zu Preußen, in dessen Ostprovinz er aufwuchs.

Geboren am 19. Januar 1821, feiert Gregorovius die Reichsgründung vom 18. Januar 1871 mit einer Rede in Rom, bei einer „Friedensfeier“. Er hofft auf ein „bescheidenes“ Reich, bezieht sich auf den Ostpreußen Immanuel Kant, spricht von einer deutschen „Mission für den Frieden der Welt“. Eine einsame Stimme in jenen Tagen, vor allem unter den borussischen Hurra-Historikern.

Der Autor und Antiborusse Gregorovius war zu seiner Zeit dennoch ein Klassiker – und mit diesem Paradox nicht genug. Unter den Klassikern, die in den letzten 50 Jahren zur Reichsgründung entstanden sind, bleibt das, was Gregorovius vor 150 Jahren mit 50 zu sagen hatte, unerwähnt. Damit auch der Gedanke, dass die Reichsgründung für ihn eine Etappe hin zu einer „Föderativrepublik Europa“ war, wie er 1868 notierte. Ohne dass er ein 68er gewesen wäre, darf man den Privatgelehrten Ferdinand Gregorovius dennoch einen Visionär nennen.

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