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Privat schauen Angsthasen selbstverständlich keine Gruselfilme an, außer "Sleepy Hollow" wegen des ausgezeichneten Niveaus und Witzes.

Times mager

Graus

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Der Graus ist ein Ärgernis für Angsthasen, die sich ihrer Angsthasigkeit für gewöhnlich nicht schämen, denn Angsthasen verstoßen weder gegen Recht und Gesetz noch gegen die guten Sitten.

Zwischen den sich Ende Oktober wider Erwarten verabschiedenden Sommer und die sich damit bereits kräftig überschneidende Weihnachtszeit drängt sich trotzdem noch ein blöder Graus. Wie passt er bloß dazwischen, wie macht er das? Der blöde Graus, elastisch und entschlossen, ist ein Ärgernis für Angsthasen, die sich ihrer Angsthasigkeit für gewöhnlich nicht schämen, denn Angsthasen verstoßen weder gegen Recht und Gesetz noch gegen die guten Sitten. Vielmehr sind Angsthasen die, die mit dem Rad keine Fußgänger mit ihrem Fahrtwind anzischen würden.

Wenn sie in Frankfurt Rad führen, was sie natürlich nicht tun. Auch nicht Auto oder Segway. Denn Angsthasen sind generell gut informiert und halten sich auch kontinuierlich auf dem Laufenden, was Fortbewegungsmöglichkeiten betrifft. Dann aber klettern sie, nachdem sie den Verkehr beachtet haben, in die Straßenbahn.

 Dass sie dort zwei kleine Untote sitzen sehen, gefällt ihnen gar nicht. Die beiden kleinen Untoten, aber so klein sind sie auch wieder nicht, tragen schwarze Umhänge, schwarze Augenringe und haben blaugraue Farbe aufgelegt. Die langen Schneidezähne sind aufgemalt, aber spitz. Sie gucken etwas stumpfsinnig vor sich hin. Ja, muss denn so etwas sein? 

Nur wenn der Beruf es verlangt. Dabei sind Gruselfilme aus Sicht eines vernünftigen Angsthasen die ärgerlichste Erfindung von allen (viel schlimmer als die leicht zu vermeidende Geisterbahn, in die man höchstens einmal als Kind gerät, hineingelabert wird, dann aber halt nicht hinsieht und sich die Ohren zuhält). Die meisten Gruselfilme sind unfassbar dumm, aber Angsthasen haben trotzdem Angst, das heißt sie langweilen und ärgern sich und schnattern und quieken zugleich. Privat schauen Angsthasen selbstverständlich keine Gruselfilme an, außer „Sleepy Hollow“ wegen des ausgezeichneten Niveaus und Witzes. Das ist dennoch schlimm, aber man weiß wenigstens, wofür.

Forscher erläutern in den Tagen des blöden Grauses, dass wir beim Anschauen von Gruselfilmen „gefahrlos erproben (können), wie gut wir beispielsweise mit Aufregung und Bedrohung, also mit negativen Gefühlen, umgehen können“ (Peter Walschburger, Psychologe). Reiseanbieter machen darauf aufmerksam, dass Übernachtungen an schaurigen Orten „den Zeitgeist moderner und abenteuerlustiger Reisender“ treffen (Nadine Stachel, Regional Manager von Booking.com). Verbraucherschützer raten dazu, vor der Verwendung von Latexmilch für die individuell geformte Horrormaske die „Produktinformationen genau zu studieren“ (TÜV Rheinland-Pfalz). Angsthasen schütteln den Kopf. 

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