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Taubenabwehr? Der Möwe ist's egal.

Times mager

Gram

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Eine Taube, gramgebeugt, hängenden Mundwinkels und mühsamen Schrittes über das Pflaster wankend - wie bekommt der Taubenvergrämer das hin? 

Liebe Tierfreunde, Sie müssen jetzt sehr stark sein, denn es folgen furchtbare Verse aus der finsteren Feder von Georg Kreisler: „Schau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau / Gehn wir Tauben vergiften im Park! / Die Bäume sind grün und der Himmel ist blau / Gehn wir Tauben vergiften im Park!“ bzw. „Der Hansl geht gern mit der Mali / Denn die Mali, die zahlt’s Zyankali / Die Herzen sind schwach und die Liebe ist stark / Beim Tauben vergiften im Park“ und so weiter. 

Das ist natürlich nicht zum Aushalten, und wer sich eine „Mali“ ausdenkt, weil er sonst nichts findet, was sich auf „Zyankali“ reimt, ist zu blind, um von Tauben zu reden. Andererseits hatte der Kreisler im Jahre 1958 noch kein Google, sonst hätte er gefunden: Bali, Cali, Nepali, Somali, Braunwangenmahali, um nur einige zu nennen. 

Braunwangenmahali? Kennen Sie nicht? Das ist kein Wunder, denn bei Wikipedia kommt nur „Braunwangenmahali erstellen“, aber immerhin wird beim „Schuppenköpfchen“ dazu geraten, den Braunwangenmahali nicht mit dem Schuppenköpfchen zu verwechseln, einem „kleinen, sperlingsartigen, gräulichen Vogel“, dessen Stirn und Scheitel allerdings schwarz und weiß gepunktet sind, während der Braunwangenmahali über einen kastanienbraunen Oberkopf verfügt. Das ging jetzt etwas weg vom Thema, aber immerhin: Vögel. 

Das Thema lautet eigentlich „Tauben vergrämen“, weil die liebe Kollegin T. letztens ein Auto sah, auf dem „Taubenvergrämung“ stand. Prompt stellten sich alle Beteiligten eine Taube vor, gramgebeugt, hängenden Mundwinkels und mühsamen Schrittes über das Pflaster wankend, und es entstand natürlich die Frage: Wie bekommt der Taubenvergrämer das hin? 

Beleidigen!, rief jemand vorlaut aus, aber das war ein verkappter Tierfreund, denn er sprach gern mit den Vierbeinern und den Geflügelten und er glaubte, dass sie ihn hörten und verstanden wie einst den heiligen Franziskus anno 1219, es heiße ja nicht umsonst auch „Tontauben“. Schnell stellte sich heraus, dass das Vergrämen von Tieren, die beispielsweise zu laut gurren, entweder durch „vereinzelte Abschüsse“ erfolgt („Tontaubenschießen!“, rief der heilige Franziskus), aber das wollte keiner, oder zum Beispiel durch Radios mit Bewegungsmelder. 

So, und jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie sind die Taube und segeln ein bisschen ziellos umher, und plötzlich: Nachrichten. Wer da nicht den Abflug macht, ist selber doof. 

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Taube gurrt, es singt der Mahali, / Wir haben ein Radio und kein Zyankali, / Und wird uns das Gurren dann doch mal zu arg, / Gehn wir Tauben vergrämen im Park.

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