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Gordon Banks, Torwart, Bank von England und Produzent der weltbesten Parade aller Zeiten.

Times Mager

Gordon Banks

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Erinnerungen an Wembley, die Bank von England und die mutmaßlich weltbeste Parade aller Zeiten.

Wer erinnert sich nicht? An dieser Stelle sicherlich nicht die Massen, hier, heute, abonniert auf diese Spalte. Aber vielleicht denken doch drei, vier zurück - wir waren ja auch nicht mehr, die am 30. Juli 1966 auf einem Sofa saßen im Dortmunder Süden, beim Nachbarn, der einen Fernseher hatte. Damit war die direkte Verbindung ins Mekka des Fußballs hergestellt, Wembley! Als Torhüter sahen wir genau hin, als Dortmunder auf Hans Tilkowski vom heimischen BVB. Als Fußballkenner aber wussten wir, da steht einer über ihm, ausgerechnet auf der anderen Seite. Der Nachbar seufzte: die Bank von England.

So erlebten wir Fußballfreunde an den Bildschirmen in Deutschland einen Nachmittag, der für Gordon Banks mit dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft ausging, auch wegen seiner Taten, bei einem Drehschuss, bei einem Flachschuss - bei jedem Versuch eines deutschen Spielers, ob Beckenbauer, Held, Emmerich. Abgesehen von Hallers 0:1 und Webers 2:2, ließ er alle Bemühungen regelrecht schlecht aussehen. Die Versuche der Gegner mit dem Ball waren allenfalls Versuchsballons in den Händen dieses Keepers. Heute heißt es, der Gegner werde aus dem Spiel genommen. Banks nahm für seine Mannschaft die Gefahr aus dem Spiel. Was muss das beruhigend gewesen sein!

Safe and steady, sicher und zuverlässig, auch an diesem Tag, im hellgelben Sweater und weißer Hose. Schon deswegen kein Gedanke, ihn die schwarze Spinne zu nennen, den schwarzen Panther oder die schwarze Ballerina (Namen, die Mitte der 1960er sowieso vergeben waren). Nein, Banks of England! Sein Verhalten auf der Linie und sein Vorgehen im Strafraum hat er einmal mit dem Sinn für Geometrie und einem trainierten Raumgefühl erklärt. Eine seiner sagenhaftesten Paraden, diejenige bei der WM 1970 gegen Pelé, dessen perfekten Kopfballaufsetzer bereits Millionen im Tor wähnten, lenkte er durch einen unnachahmbaren Bewegungsablauf, Hechtsprung und im Abtauchen irrwitzigen Reflex über die Latte. Ein von Geometrie vernagelter Kasten! Als da zusammenkamen Raumgefühl einer Ballerina, Panthersprung, Spinnenarm. Er nahm die Glückwünsche seiner Mitspieler sachlich hin, ohne geballte Faust. War es, wie millionenfach kolportiert, die weltbeste Parade aller Zeiten?

Was wäre der Fußball ohne unglaubliche Superlative. Gordon Banks ließ Bälle auf sich zukommen, nicht um sie zu entschärfen, sondern um sie stoisch zu entzaubern. Er war ein Minimalist. Gäbe es aber, dessen ungeachtet, so etwas Verrücktes wie eine Weltelf der Torhüter der letzten 50 Jahre, mit Maier, Zoff, Schmeichel, Casillas, Buffon, Neuer - Banks stünde im Tor. Am Dienstag ist Gordon Banks gestorben, 81 Jahre alt.

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