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Daniel Kothenschulte ist Filmkritiker für die Frankfurter Rundschau.
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Daniel Kothenschulte ist Filmkritiker für die Frankfurter Rundschau.

Kolumne

Golden Globes

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Die Golden Globes gelten als Vorboten der Oskars, aber es gibt etwas, dass die Preise der Auslandspresse den Academy Awards voraus haben, nämlich die Sparte Fernsehen. In letzter Zeit ist die Qualität der gehobenen Serien-Unterhaltung in den USA im selben Maße gestiegen, wie das Mainstream-Kino verarmt ist.

Gern werden die Golden Globes als Vorboten der Oscars gehandelt, aber vielleicht ist das in diesem Fall gar nicht so sehr die Frage: Gewiss, „The Social Network“ wird uns am 27. Februar im Kodak-Theatre wieder begegnen, ein anderer Oscar-Favorit, der in den USA gefeierte Western „True Grit“ der Coen-Brüder, kam bei den „Globes“ nicht vor. Die Preise der Auslandspresse aber haben den Oscars etwas voraus, das man in der Vergangenheit lange ignorierte, bald jedoch nicht mehr: das Fernsehen.

In letzter Zeit ist die Qualität der gehobenen Serien-Unterhaltung in den USA im selben Maße gestiegen, wie das Mainstream-Kino verarmt ist. Gewiss, ein prestigeträchtiges Kinodrama wie „The Social Network“ hat auch in den anspruchsvollen Reihen der Kabelsender keine Entsprechung. Aber wer einen durchschnittlichen Unterhaltungsfilm sieht wie in dieser Woche „Morning Glory“ mit Harrison Ford, der ist beim US-Kabelfernsehen besser aufgehoben. Selbst eingefleischte Kinofans reden nur noch über „Breaking Bad“ oder „Mad Men“, TV-Serien, in denen Kino-Glücksmomente aus der Leitung sprudeln.

„Mad Men“ ist auf eine Art tragikomisch, als wäre Billy Wilders „Das Appartment“ auferstanden. Erst in der vierten Staffel verliert sich die Hintergründigkeit, und die „Soap“ bricht ein, weshalb der Vorjahresgewinner wohl diesmal leer ausging. Dafür wurde der Sender HBO mit „Boardwalk Empire“ belohnt, das Kino mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Kein Geringerer als Martin Scorsese zählt zu den Produzenten, und der von ihm inszenierte Pilotfilm verschlang 18 Millionen Dollar. Steve Buscemi, ebenfalls mit einem „Globe“ geehrt, brilliert im Prohibitionsdrama aus den Zwanzigern als hinreißend zwielichtiger Politiker und Schwarzbrenner.

Es ist, als habe Scorsese den Druck aus seinen „Gangs of New York“ herausgenommen und den Charakteren wieder Zeit gegeben. Das Fernsehen und natürlich auch der Download und die DVD ermuntern die Autoren zu epischem Erzählen. Es wird auch hemmungslos geschummelt – mit Andeutungen, die vielleicht nie eingelöst werden. Doch man bleibt dran, wie früher im Kino. Als es gute Filme in Serie gab.

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