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Hagen schenkt Gutrune eine Isetta.

Times mager

Gödä

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Mit der "Götterdämmerung" ist Frank Castorfs Bayreuther "Ring" zum zweiten Mal in dieser Festspiel-Saison über die Bühne gegangen. Hier die Antworten auf ein paar letzte Fragen.

Der Frankfurter mag bei dem Wort „Gödä“ eigene Assoziationen haben, die in die Richtung eines weithin bekannten Sohnes der Stadt gehen, wenn sein Name in derselbigen ausgerufen wird. Allein, hier geht es bloß darum, zu überspielen, dass eine einzeilige 22-Punkt-Überschrift das Wort „Götterdämmerung“ nicht fassen kann. Ja, stimmt, im Internet wäre es kein Problem. Die „Götterdämmerung“ ist aber zu groß für manches und manchen. Zum Abschluss des zweiten Durchlaufs des Bayreuther „Rings“ von Frank Castorf und dem überirdischen, dazu unfassbar sympathischen Dirigenten Kirill Petrenko sollen an dieser Stelle darum noch einige Fragen geklärt werden.

Was für ein Auto schenkt Hagen Gutrune? Eine Isetta. Dem Mann aus Philadelphia hatte in der ersten Pause ein anderer Amerikaner erklärt, es sei ein Trabant. Da schüttelten die Umsitzenden jedoch die Köpfe und drehten sich um und sagten, das sei doch ein Goggomobil. Ein Westauto, Hagen verfüge eben über gute Kontakte. Aber wenn Hagen von drüben sei, so ein anderer, weshalb betreibe er eine Dönerbude? Jedenfalls schenkt er Gutrune eine Isetta, auch dies ein Westauto.

Warum schlägt Siegfried den Obdachlosen zusammen? Weil er ein schlimmer Bursche ist.

Ja, und warum ist er ein schlimmer Bursche? Weil Castorf ihn nicht leiden mag. Das ist nachvollziehbar. Lance Ryan spielt einen blasierten Brutalo, der nicht genau weiß, wo es lang geht, der lustlos und kalt zündelt. Es ist aber eine verrückte Vorstellung, wie ein Heldentenor heute in Seppelhosen herumhüpft, morgen Obdachlose tritt, übermorgen still auf einer Scheibe verharrt, um überübermorgen den Lendenschurz umzuwickeln. Während er immer wieder das gleiche singt. Weil nur zwei, drei das zur gleichen Zeit können bis zur letzten Minute, und er gehört dazu.

Welche Idee sollte ein Regisseur Castorf klauen? Dass die Rheintöchter am Ende so nah zu Brünnhilde sich drängen, damit sie ja nicht den Ring verpassen. Es gibt spannende Sekunden in dieser Inszenierung, und, glauben Sie mir, es sind nicht die politischen. Obwohl Wagners „Ring“ hochpolitisch ist. Brave Regisseure klauen selbstverständlich keine Ideen.

Lassen sich denn alle Fragen zum Castorf-Ring so leicht beantworten? Warum soll ein Castorf-Ring komplexer sein als die Wissenswette im „Siegfried“? Die auch bloß 3:2 endet, weil Wagner Mime zwingt, dümmer zu sein, als er ist? Außer vielleicht dem Schlauchboot, in dem Hagen zu den letzten Takten der „Götterdämmerung“ über einen See treibt, ist alles zu erklären. Mit etwas Zuneigung. Da stößt man am Ende zufällig auf die einzige Gemeinsamkeit zwischen Wagner und Castorf.

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