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Die Anzeichen sind untrüglich.

TIMES MAGER

Glühwein

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Es geht mit großen Schritten auf das Fest zu, die Anzeichen dafür sind unübersehbar.

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass bald Weihnachten gefeiert werden wird. Anzeichen, die untrüglich sind. Zum Beispiel: Die Bäume sind kahl, die Wiesen grün und matschig. Außerdem: In der Natur wollen alle Menschen Schnee liegen sehen, aber dalli, beim Feiertagsspaziergang auch gern den Frost romantisch unter den Schuhen knirschen hören. Aber die Straßen sollen bitte trocken bleiben, denn man möchte keine Glätte-Scherereien, wenn man zum alljährlichen Anstandsbesuch zu Onkel Waldemar oder Oma Gertrud fährt. Mit dem einen wird man Cognac trinken, mit der anderen Gänsebraten essen müssen, obwohl man doch gerade die guten Vorsätze getroffen hat, keinen Alkohol mehr zu trinken und Vegetarier zu werden. Da kann man ja wohl erstmal nichts machen.

Tag für Tag rasen Wolken über den Himmel und bringen Regen wie im April. Die Unzufriedenheit steigt. Die Menschen erinnern sich an weiße Weihnachten, als sie ungefähr fünf waren. Selbst die 17-Jährigen versichern dann wenige Tage vor Weihnachten, damals sei alles besser gewesen. Die Unzufriedenheit steigt weiter.

Gerade schossen noch Pilze aus dem Waldboden, da sind es schon Bretterbuden aus dem Pflaster von Fußgängerzonen. In den Buden gibt es Glühwein, er ist jenen zu empfehlen, die den Tag nach dem Weihnachtsmarktbesuch für jede Tätigkeit die Ausrede schrecklicher Kopfschmerzen haben wollen. Es gibt in den Buden auch Werkzeuge, mit denen man nichts reparieren kann, da sie aus Schokolade sind. So wird der Schraubenschlüssel neben dem Osterhasen (wir schreiben Jahr vier nach besagtem Ostern) zu liegen kommen, bis auch er so unappetitlich aussieht, dass sie gemeinsam im Biomüll landen.

Indessen treffen Dezember-Züge grundsätzlich zu spät ein, haben es andererseits so eilig, rechtzeitig zum Fest zu kommen, dass die jeweilige „Vorsicht bei der Einfahrt“-Bahn im Moment ihrer Ankündigung schon in der Ferne verschwindet. Überhaupt beschleunigt sich die Zeit noch einmal – hat sich, fies wie sie ist, vor Tagen schon beschleunigt, ohne Bescheid zu sagen. So dass die Spanne, in der man vorsorglich die Geschenke kaufen wollte, um nicht erneut … Sagen wir so: Diese Geschenkekauf-Spanne wurde garantiert von einem schwarzen Loch gefressen. Und wer jetzt recherchieren möchte, ob das sein kann, dass ein schwarzes Loch nicht nur Materie (Zimtsterne, die schicken roten Christbaumkugeln, die richtige Schlafanzug-Größe für Opa), sondern auch Zeit fressen kann, der sollte sich eine zeitaufwendige Recherche wie diese gut überlegen: Schwupps, schon ist übermorgen und der Baum nadelt.

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