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Times Mager

Glück gehabt

  • VonChristian Schlüter
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Was wirft man Merkel vor, wenn man ihr Glück vorwirft? Doch eigentlich nur, dass sie nicht an der Illusion uneingeschränkter Machbarkeit - dieser politischen Lüge schlechthin - festhält. Die CDU erklärt die Lüge zur politischen Tugend. Von Christian Schlüter

"Schlichtweg Glück" und ansonsten keine eigenen Verdienste habe Angela Merkel bei der letzten Bundestagswahl gehabt. Das behaupten nicht etwa die dauerbeleidigten und phantomschmerzgeplagten Verlierer der Wahl, sondern an diesem Wochenende einige führende CDU-Politiker. Wohl wahr: Merkels Sieg ist vor allem das Verdienst der deutschen Sozialdemokratie, die innerhalb von nur wenigen Jahren sich selbst und die übrigen linken Parteien in die politische Bedeutungslosigkeit gerissen hat. Agenda 2010 und der ganze andere anneoliberalisierte Quark mussten die Linke entzweien. Man wird dereinst über die historische Rolle der SPD sagen, Totengräberin der linken Alternative gewesen zu sein.

Doch zurück zu Angela Merkel. Sie soll sich kritisiert fühlen, das verstehen wir. Ihre Kritiker stören sich insbesondere am "präsidialen" Stil der Kanzlerin, der zu wenig "parteipolitische Identifikation" ermögliche. Klar, verstehen wir auch, ´ne Kanzlerin und Parteivorsitzende muss es auch mal krachen lassen. Aber die Sache mit dem Glück: Ist hier unverdientes Glück gemeint?

Nun gilt für Wahlkämpfe zwar, dass sie als reinste Form politischen und also souveränen Handelns erscheinen, weil sie nur aus der öffentlichen Rede, eigentlich nur aus Versprechungen bestehen. Doch ähnlich wie in den weniger souveränen, weniger autonomen Politikfeldern, spielt das Glück eine wesentliche Rolle: Sinkende Arbeitslosenzahlen etwa haben nicht zuerst mit einer "gekonnten" Wirtschaftspolitik, als vielmehr mit einer Vielzahl globaler Faktoren zu tun, über die eine Regierung gar nicht verfügt; genauso haben Wahlkämpfe nicht allein mit dem Profil von Parteien oder Parteiprogrammen zu tun, als vielmehr mit vielfach bedingten Stimmungslagen, nicht zuletzt mit kontingenten Ereignissen wie Kriegstoten, Wasserfluten oder eben einer desolaten SPD.

Was also wirft man Merkel vor, wenn man ihr Glück vorwirft? Doch eigentlich nur, dass sie nicht an der Illusion uneingeschränkter Machbarkeit - dieser politischen Lüge schlechthin - festhält. Man wirft ihr also eine Wahrheit - die Unmöglichkeit souveränen Handelns - vor. Ergo: Die CDU erklärt die Lüge zur politischen Tugend.

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