1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Gitter

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Das hartgekochte Ei kam gar nicht gut an: Woody Allen und Mia Farrow 1992 in "Schatten und Nebel".
Das hartgekochte Ei kam gar nicht gut an: Woody Allen und Mia Farrow 1992 in "Schatten und Nebel". © Imago

So rum? – Quatsch. So rum. Die Montage von Fliegengittern ist ein zu Unrecht völlig unterschätztes Problem.

Es gibt diese Filmszene aus den 80er oder 90er Jahren, in der Mia Farrow – es war doch Mia Farrow? – Woody Allen im Gefängnis besucht und ihm ein hartgekochtes Ei mitgebracht hat. Weil ein relativ engmaschiges Gitter die beiden Liebenden voneinander trennt, drückt sie ihm das Ei durch die Stäbe. Draußen noch ein freies, wenn auch vermutlich damals nicht glückliches oder gar freilaufendes Ei, weit entfernt von Bio, bröselt es drinnen traurig auf den Tisch.

Immerhin: Mit einem Spiegelei wäre die Filmszene schwierig geworden. Oder waren es gar nicht Mia Farrow und Woody Allen? War es womöglich eine Szene aus „Ein Fisch namens Wanda“? Natürlich ist das auf die Schnelle wieder nicht herauszufinden. Wenn man dieses Internet ein Mal braucht!

Aber es geht hier sowieso nicht um Filmszenen, es geht um Gitter und um die These: Was mit einem Gefängnisgesprächsgitter machbar ist, muss zu Hause mit einem Fliegengitter noch lang nicht funktionieren. Theoretisch ist die Menschheit heute in der Lage, diesen Beweis zu führen, denn die Menschheit hat inzwischen Deluxe-Fliegengitter sogar für schräge Dachfenster.

Die hatte sie auch voriges Jahr im Frühling schon. Nur gab es damals noch keine Menschen, die in der Lage gewesen wären, Deluxe-Fliegengitter für schräge Dachfenster einzubauen. Voriges Jahr im Frühling, und zwar Anfang März, also gewissermaßen im Vorfrühling, ging die Bestellung raus. Im August war die Sonderanfertigung dann sonderfertig und bereit zum Sondereinbau, nur stellte sich dann heraus: tja, passt nicht. Jeder, der schon mal ein skandinavisches Regal montiert hat, hätte das sofort an den Einzelteilen erkannt. Die hauptberuflich damit beschäftigte Soko „Spezialkräfte Fliegengittereinbau“ erkannte es erst, als der Fliegengitterrahmen fertig zusammengebaut war („So rum?“ – „Quatsch. So rum.“ – „Geh fort! So rum!“) und dann an der Einflugschneise in die Dachfenstermulde scheiterte.

Das erneut sonderangefertigte Fliegengitter 2.0 war dann im Dezember sonderfertig und passte. Im Winter ist allerdings das Problem mit den Fliegen (und auch mit den Mücken) vergleichsweise gering, und auch der im Aufbau befindliche Frühling 2016 hat noch keine echte Plage generiert. In der Zwischenzeit könnte man versuchen, ein paar Eier durchzudrücken. Wir zögern noch.

Moskitos können übrigens schlecht sehen, schlecht fliegen und werden von Alkohol magisch angezogen, wie die Fachpresse berichtet (Gala.de). Da haben sie mehr mit ihren potenziellen Opfern gemein, als man denkt.

Auch interessant

Kommentare