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Giotto

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Von: Sandra Danicke

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Ein Teller mit Raffaello-Bällchen – die zergehen bereits phonetisch auf der Zunge.
Ein Teller mit Raffaello-Bällchen – die zergehen bereits phonetisch auf der Zunge. © imago

Von Künstlern, die wie Produkte heißen. Oder war es umgekehrt?

Bhatte von Miro erzählt, und sie war sichtlich begeistert. Schwärmte von einem gewissen Prickeln, einem umwerfenden Duft, und dass Miro ihr schon am frühen Morgen gute Laune bereite. Allein schon die Optik habe sie auf den ersten Blick überzeugt, sagte B. Neulich war es dann so weit. Im Kaufhaus, schräg hinter dem Haarspray-Regal stand Miro und sagte „nimm mich mit“. Nicht mit Worten, eher suggestiv. Zu Hause sind wir dann gleich unter die Brause, und es gibt tatsächlich keinen Grund zur Klage. Das Miro-Duschgel ist eine Wucht.

Ähnlich läuft es mit Rembrandt. Ohne Rembrandt ist der Tag nur halb so schön. Zugegeben: Das liegt in erster Linie an Äußerlichkeiten. Eine Zahncreme mit einem so meisterhaften Namen macht einfach mehr her als Signal Sportgel oder Blend-a-med-3-Phasen. Allein schon das Tubendesign wirkt bei der Künstlerpaste entschieden kultivierter als das gängige Rot-Blau auf weißem Grund. Vor allem, wenn Besuch kommt.

Dann stellen wir zum frisch gebrühten Hofer-Kaffee ja auch keine Happy-Hippo-Snacks hin, sondern – wenn schon, denn schon – eine Schale Giotto oder ein Tellerchen mit Raffaello-Bällchen, denn die zergehen bereits phonetisch auf der Zunge. Passen ja auch viel besser zu den schicken Leonardo-Gläsern, deren mutige Formgebung da Vinci bestimmt inspiriert hätte.

Nach zwei, drei Flaschen Tiziano (an Festtagen kredenzen wir auch schon mal einen Martin-Schongauer-Spätburgunder) wirkt sich die Umgebung prestigeträchtiger Künstlernamen meist positiv auf das Niveau unseres Gesprächsstoffs aus. Häufig geraten wir dann ein wenig ins Spekulieren. Ob Mario Merz die berühmten Spezialdragees tatsächlich in einem seiner gläsernen Iglus entwickelt hat? Oder Franz West: Betrieb der wirklich nebenher eine Tabakplantage? Über Google ließ sich leider nichts Genaues herausfinden. Auch nicht über Richards spiralförmiges Mr. Long-Eis: Ist das nun sinnlich erfahrbarer Ausdruck der Entgrenzung des Kunstbegriffes? Wir haben lange diskutiert. B glaubt: ja, und die ist meistens recht gut informiert. Ohne sie hätten wir auch nicht gewusst, dass man Max Beckmann seinerzeit einen Doktor für die Entwicklung eines Fleckenteufels verliehen hat.

Nur in einem Punkt sind wir bislang nicht ganz schlüssig: Ob auch Giotto sich einst ein Zubrot verdiente, indem er nachts in der Backstube Cremekugeln formte? Vieles spricht dafür, bedenkt man die finanziell prekäre Situation, in der sich selbst anerkannte Meister in allen Epochen befunden haben. Michelangelo wurde zeitlebens dürftig bezahlt, van Gogh starb verarmt und sogar Jeff Koons sah sich offenbar genötigt, sein Ballon-Figuren-Patent an Straßenclowns zu veräußern, um sich seinen Lebensunterhalt adäquat zu finanzieren. „Der Arme“, sagte B und stöhnte leise.

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