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Und wenn’s so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da.

Times mager

Giganten

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Vor 17 Jahren kam „Absolute Giganten“ heraus. Kein anständiges Jubiläum, aber doch eine liebenswerte Zahl. Und keine Gelegenheit kann zu dünn sein, um diesen gigantischen Film zu loben.

Weißt du, was ich manchmal denke?“ Sagt Frank Giering zu Julia Hummer. Dazu läuft so schöne Musik, dass man nur ganz knapp nicht anfängt zu weinen. „Es müsste immer Musik da sein. Bei allem, was du machst.“ Frank Giering ist Floyd, Julia Hummer ist Telsa. „Und wenn’s so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo … wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.“

Jetzt, im September, jährt sich zum 17. Mal das Erscheinen, das Erblühen des Films „Absolute Giganten“. 17 ist kein anständiges Jubiläum, das muss man zugeben, aber doch eine sehr liebenswerte Zahl, und die Welt kann außerdem nicht ewig warten, bis wieder jemand schreibt, dass „Absolute Giganten“ einer der gigantischsten Filme der vergangenen 17 Jahre ist, wenn nicht sogar der gigantischste.

Dabei wirkt er eigentlich ganz klein. Der Film erzählt davon, dass Floyd weggeht und seine beiden Busenkumpels Ricco und Walter von heute auf morgen quasi allein in Hamburg zurücklässt. Ricco ist Florian Lukas, Walter ist Antoine Monot Jr., und wie jung sie alle sind. Die Tasche ist schon gepackt. Floyd wird gehen.

Es darf nicht wahr sein, aber Floyd wird gehen. Sie haben nur noch diese eine Nacht. Was machen drei beste Busenkumpels in nur noch einer Nacht? Sie begeben sich in jede Gefahr, die auf die Schnelle zu haben ist, legen sich mit Elvis an und mit dem Tischkickerkönig von St. Pauli, sie bringen aus Doofheit beinahe ihre minderjährige beste Freundin Telsa um und retten sie wieder, sie sind völlig chaotisch und umwerfend echt. Fast alle, die bei dem Film mitmachen, vor und hinter der Kamera, werden es zu einer gewissen Berühmtheit bringen, und zwar hochverdient, denn sie sind absolute Giganten.

Welche Musik wäre da, im allerschönsten Moment, für alle Ewigkeit? Könnte man wählen? Bliebe, wenn immer Musik da wäre, einfach am Ende die Musik, die zufällig im schönsten Moment lief, und sei es Richard Clayderman, Fool’s Garden oder DJ Ötzi? Oder schlösse sich das von selbst aus, dass irgendein Mist läuft im allerschönsten Moment?

Wer ihn länger nicht gesehen hat, den Film, kann sich dahingehend täuschen, dass er denkt, Floyd wäre unheilbar krank und deshalb der Abschied. Aber das stimmt nicht. Was stimmt, ist, dass der richtige Frank Giering weggegangen ist von der Welt, irgendwann zwischen dem vorletzten und dem letzten Mal Giganten gucken, und auch das darf nicht wahr sein. Seine Schallplattennadel soll an der allerschönsten Musikstelle sein, die es gibt.

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