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Vielleicht müssen wir diese Tätigkeit künftig hitzeresistenten Robotern überlassen.

Times mager

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Die Versorgung der heimischen Pflanzen in Zeiten des langsamen Verglühens stellt allerhöchste Ansprüche an die Daseinslogistik. Die Feuilleton-Kolumne.

Zum Sport. Nein, keine Angst, kleiner Scherz – Sport lassen wir diese Woche schön bleiben, außer vielleicht in klimatisch halbwegs gemäßigten Regionen wie Estland, wo für diesen Donnerstag 24 Grad erwartet werden. Zum Vergleich: Frankfurt, 38, die Frisur schwitzt.

Wer hierbleiben muss und womöglich noch in einer Dachwohnung lebt, hat gleich mehrere Probleme: Wie schlafen? (Spoiler: bei offenem Fenster zur Straße, also gar nicht.) Womit zur Arbeit fahren? (Mit dem Rad – so langsam, dass man fast seitlich umkippt und sich, um nicht wie aus dem Wasser gezogen in der Redaktion zu erscheinen, von Jan und allen Mann überholen lassen muss, sogar von Leuten mit den gleichen technischen Voraussetzungen, ohne Elektromobilität, keine Ahnung, wie die das machen, wahrscheinlich Dusche im Büro, oder was?)

Die allerhöchsten Ansprüche an die Daseinslogistik stellt auf jeden Fall das Blumengießen in Zeiten des langsamen Verglühens unseres einst blauen, nun strohbraunen Planeten. Um es nicht zu simpel werden zu lassen, sind die Nachbarn im Urlaub und bitten, das Grünzeug auf ihrem etwa drei Millionen Quadratmeter großen Balkon künstlich am Leben zu halten. Und die einzige Person in den eigenen Reihen, die sich mit sowas wirklich auskennt, weilt in der zweiten Ferienhälfte bei Schwiegermuttern.

Somit bleibt wieder mal alles an demjenigen hängen, der von sich sagen kann: Was hat zwei ungrüne Daumen und keine Ahnung von Pflanzenpflege? Ich! Ein jeder Tag beginnt mit dem Frühstück für die Nachbarspflanzen, wofür die Nachbarn immerhin eine Bewässerungsinstallation geschaffen haben, die die Arbeit erleichtert, sobald man das System durchdrungen hat, mit dem der Schlauch auf- und abgerollt werden kann.

Dann die Gewächse, die flächendeckend auch in der Nachbarswohnung untergebracht und fast durchgängig mit Plastikvögelchen ausgestattet sind, in die sich Wasser füllen lässt, von dem sich die Blumen selbst bedienen. Vorbildlich. Dann die eigenen Balkonbewohner. Allen gemeinsam ist, dass sie morgens hektoliterweise Wasser trinken, dem Menschen gleichsam die Gießkanne aus den Händen ringen wollen und abends doch wieder in einer rissigen Wüste von Blumenerde stehen, als hätte der Aushilfsgärtner, das faule Schwein, sie komplett missachtet und stattdessen selbst gefrühstückt (vgl. Menschenfrühstück, das: eine Tätigkeit, für die einst im Winter manchmal Zeit blieb).

Wenn hier irgendwas vertrocknet und die Bezaubernde kriegt das mit, bin ich geliefert. Genug jetzt, Sie entschuldigen. Und danke für die Blumen.

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