+
"Es gibt keinen Weihnachtsmann", sagte der Dirigent zum Schluss einer Vorstellung. In einem Einkaufszentrum in Arbil gibt es dagegen gleich mehrere.

Times mager

Es gibt keinen Weihnachtsmann

  • schließen

Was mag den italienischen Dirigenten geritten haben, den es am Ende einer „Eiskönigin“-Vorstellung zur Wahrheit drängte?

Die Silvesternacht verging mit besorgten Gesprächen darüber, wie es mit einer Welt, in der Donald Trump US-Präsident ist, weitergehen wird. Niemand wusste es, leichtfertige Hitler-Vergleiche wurden nicht zu Unrecht damit gekontert, dass sie leichtfertig seien. Auch wisse man es eben noch nicht und müsse erst einmal abwarten. Andererseits kam einem diese Art von Argument dann auch wieder beunruhigend bekannt vor, da sie offensichtlich mindestens 84 Jahre alt ist. Erst später jedenfalls zeigte sich, dass auch der Weihnachtsmann am inzwischen ersten Tag des neuen Jahres schon wieder Erwähnung finden musste. Die Deutsche Presse-Agentur war nämlich inzwischen mit der Meldung durchgedrungen, dass ein Dirigent bereits am Donnerstag zwischen den Jahren wegen Leugnung des Weihnachtsmanns seinen Posten in einer Vorstellungsserie von „Die Eiskönigin“ verloren hat. Der unglückselige Mensch hatte offenbar zum Schluss einer der Vorstellungen dem Publikum gesagt: „Es gibt keinen Weihnachtsmann.“

Was mag ihn geritten, was angetrieben haben, weshalb hat er überhaupt etwas gesagt am Ende einer herzerfrischenden Geschichte, die weiß Gott keinen Weihnachtsmann braucht, um voranzukommen? Jedenfalls berichteten Eltern nachher, einige Kinder seien daraufhin in Tränen ausgebrochen. Auf Facebook formierte sich eine sogenannte Protestgruppe. Der Veranstalter wechselte den Mann aus, ließ den neuen Dirigenten freudestrahlend mit dem Weihnachtsmann (ho ho ho) abfotografieren und erklärte: „Es tut uns sehr leid, was passiert ist.“ Die Bemerkung des (defätistischen, nicht des fröhlich den Schulterschluss mit peinlichen Eltern suchenden) Dirigenten spiegele nicht die Haltung des Unternehmens, sondern lediglich dessen persönliche Meinung wieder. Also die persönliche Meinung, dass es keinen Weihnachtsmann gibt.

Interessant war, dass es humoristisch beim noch wachen Teil dieser weit fortgeschrittenen Silvesternacht nicht mehr weit her war. Vielmehr keimte der dringliche und noch nie zuvor empfundene Wunsch, allen Kindern auf dieser Erde sofort klarzumachen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, nie gab, nie geben wird.

Die geahndete Weihnachtsmann-Leugnung geschah in Italien, einem Land, in dem 2008 nur 14 Prozent der Befragten die Frage „Hat Jesus Teile der Bibel geschrieben?“ richtig beantworten konnten. Lüge (ja, liebe Kinderlein, es ist eine Lüge zu behaupten, es gäbe einen Weihnachtsmann), Gruppenzwang und Unbildung zeitigen nicht immer so undramatische Folgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion