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Times Mager

GEZ

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Einmal, als die GEZ an der Tür klingelte, spielte ich den guten Gastgeber und ließ die Dame herein. Sie kam niemals wieder. Mein Fernseher stand im Keller, jetzt habe ich ihn weggegeben. Von Daniel Kothenschulte

Amerikanische Trödler haben ein schönes Wort für einen Gegenstand, der zu wenig anderem taugt, als ein Gespräch darüber zu führen: Conversation piece. Seit ich vor zwölf Jahren in eine Wohnung ohne Antennenanschluss zog, hatte mein Fernseher seine eigentliche Bestimmung verloren.

Zum conversation piece wurde er, wenn die GEZ an der Tür klingelte. Einmal, ich schaute gerade DVD, spielte ich den guten Gastgeber und ließ die Dame herein. "Ja, auch wenn Sie nur Videos gucken, müssen Sie Gebühren zahlen", belehrte sie mich. Ich gab ihr die Fernbedienung und bat sie, nach einem Programm zu suchen. Sie mühte sich lange, vergeblich.

Nun schulmeisterte ich ein wenig: "Empfangsbereit" laute doch das Wort auf dem Gesetzblatt. Traurig brach sie auf, traurig musste ich erkennen, doch nicht so ein guter Gastgeber zu sein. Nicht mal zum Fernsehen konnte man mich besuchen. Einen Versuch, die Dame aufzuheitern, machte ich noch an der Tür: "Und ich dachte schon, Sie kämen von den Zeugen Jehovas!" Sie kam niemals wieder.

Nachdem mein Fernseher lange im Keller gestanden hatte, gab ich ihn erst letzte Woche aus dem Haus. Ein Freund wird sich darauf die WM ansehen, ich gehe für die Spiele lieber ins nahe Multiplex-Kino. Und für die DVDs gibt es inzwischen einen Beamer. Ironie des Schicksals, dass ich ab 2012 nun doch noch für etwas bezahlen soll, das mir seit zwölf Jahren fremd geworden ist: Fernsehen. Auch wer gar nicht fernsieht, muss dann bezahlen.

Dabei war ich sogar einmal süchtig gewesen. Mit 3000 Videokassetten zog ich in meine antennenlose Wohnung. Sie hat mich geheilt. Nur im Hotel haue ich mich noch immer sofort vor die Kiste. Doch das Fernsehen, nach dem ich süchtig war, gibt es nicht mehr. Es war das Fernsehen der Hollywoodklassiker in Schwarzweiß, das Fernsehen von "Wickie" und der "Märchenbraut".

Es hat einen Filmfan aus mir gemacht. ARD und ZDF produzieren durchaus noch gute Filme, doch die laufen vorher im Kino oder auf Festivals. Manchmal schickt man mir auch eine DVD: Amerikanische Trödler haben ein schönes Wort für Gegenstände, die es heute nicht mehr gibt: "They don´t make em like that anymore"

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