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Gewinnerin

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Von: Sandra Danicke

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Regisseurin Jane Campion.
Regisseurin Jane Campion. © Caroline Seidel/dpa

Seltsam, dass bei der Verkündung der Oscar-Preisträgerinnen und -Preisträger immer alle so überrascht tun. Ein kanadischer Mathematiker sagt das Ergebnis jährlich voraus.

Und nun zur Verkündung derjenigen, die am Sonntag die Oscars in den wichtigsten Kategorien - also bester Film, beste männliche und weibliche Hauptrolle, beste Regie - gewinnen werden: Will Smith, Jessica Chastain und Jane Campion mit „The Power of the Dog“ (Regie und Film). Zugegeben, so ganz sicher wissen wir es auch nicht, aber immerhin ziemlich. Wir verlassen uns bei unserer Vorhersage nämlich auf einen Experten: Iain Pardoe. Der kanadische Mathematiker sagt bereits seit 16 Jahren die Gewinnerinnen und Gewinner der Academy Awards voraus und liegt mit seinen Prognosen erstaunlich oft richtig. Manchmal natürlich auch nicht.

2020 zum Beispiel war ein weniger gutes Jahr. Dass Joaquin Phoenix für seine Rolle des Joker in „Joker“ einen Oscar gewinnen würde, war zwar korrekt, aber vermutlich auch allen Beteiligten vorher klar. Die Wahrscheinlichkeit, dass „Parasite“ zum besten Film gekürt werden würde, betrug laut Pardoes Berechnungen allerdings nur zwei Prozent. Er setzte auf „1917“ - eine Fehlprognose.

Auch 2021 hat der Mathematiker mit zwei von vier Auszeichnungen daneben gelegen. Anthony Hopkins und Frances McDormand hatte er nicht auf dem Plan. Die beiden konnten sich also gar nicht richtig vorbereiten. In früheren Jahren lief es bedeutend besser, Pardoe lag fast immer richtig. Die Auswahlkriterien sind demnach zunehmend unvorhersehbarer geworden.

Keine allzu große Überraschung: Auszeichnung von Joaquin Phoenix, der den Joker spielte.
Keine allzu große Überraschung: Auszeichnung von Joaquin Phoenix, der den Joker spielte. © Niko Tavernise/dpa

Bisher berechnete Pardoe aus bestimmten Parametern (Anzahl der bisher erfolgten Nominierungen, bereits erhaltene weitere Preise, Zusammensetzung der Jury, Aspekte der Diversität) eine Wahrscheinlichkeit. Jetzt müssten neue Parameter hinzu kommen. Nur welche könnten das sein? Haarfarbe? Absatzhöhe? Oder spielen die Charaktereigenschaften der Nominierten eine Rolle? Oder die Tatsache, ob, was und wie viel sie bei Instagram posten?

Und ließen sich mit einem solchen Berechnungssystem nicht auch noch ganz andere Vorhersagen machen? Könnte man nicht nützliche Erfindungen prophezeien? Oder ist das ganze Leben, sind die Entwicklungen auf unserem Planeten schlichtweg unvorhersehbar? Im Angesicht der Klimakrise wünschte man, es wäre so.

1966 prophezeite das „Time Magazine“, dass Versandhandel theoretisch machbar, bei der Durchsetzung, jedoch ein Flop sein würde. Hätten Sie damals schon Amazon vorausahnen können? Und hätte das irgendetwas genutzt?

Wie auch immer: Jane Campion hat auch mit einem 50:50-Joker gewonnen. Deshalb von uns schon mal:

Herzlichen Glückwunsch!

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