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Am Bloomsday sind wir alle Freunde von James Joyce.
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Am Bloomsday sind wir alle Freunde von James Joyce.

Times mager

Gestern

Glatt könnte man sich jedes Jahr zum Bloomsday einbilden, Literatur greife doch in den Lauf der Welt ein.

Und was war gestern so los? In der Nationalbibliothek von Buenos Aires wurde ab 17 Uhr (immer Ortszeit) aus „Ulysses“ gelesen. In Clonakilty, West-Cork, Irland, traf man sich schon um 11.45 Uhr in historischen Kostümen zum Frühstück. Leber und Nierchen. Es wurden Ausschnitte aus „Ulysses“ verteilt, die man still lesen oder der Menge vortragen konnte. Bereits um 7.30 Uhr begann eine Großlesung in der Ped Mall von Iowa-City – im Gedenken auch an den New Yorker Richter John Woolsey, der 1933 das „Ulysses“-Verbot in den USA aufgehoben und Kriterien festgelegt hatte, nach denen künftig entschieden werden sollte, was obszön war. Auf „Ulysses“ trafen die Kriterien offenbar sofort nicht zu.

Im Katharine Cornell Theatre in Martha’s Vineyard, Massachusetts, gab es zur Lesung auch eine Menge Musik. Zum 37. Mal! In Greenfield, Indiana, fand zum fünften Mal ein „Literarisches Projekt“ im „Pub-Stil“ statt. Rosie Caine und Die Wilden Irischen Frauen spielten auf. Die Kosten, zehn Dollar, konnten bar und mit Scheck bezahlt werden.

In Miami, Florida, war man verkleidet und unverkleidet willkommen. Treffpunkt: 18 Uhr, The Coral Gables Museum. Es gab eine kurze Parade um den Block, mit Dudelsackpfeifer und in John Martin’s Irish Pub ein Spezialmenü zu niedrigen Preisen. Außerdem gab es hier einen Link zu einer „Ulysses“-Inhaltsangabe.

Mit Herrn Bloom in Dublin

Weitere Aktivitäten wurde aus Buffalo, Braunschweig, Griechenland, Krakau, Melbourne, Santa Maria (Brasilien), Tokio gemeldet, um nur eine Auswahl zu nennen. Leider war im Fall von Griechenland aus Unbildung nicht zu ermitteln, welche Stadt es war.

Der Bloomsday ist jedes Jahr ein Grund, sich kurz einzubilden, Literatur greife doch in den Lauf der Welt ein. Das klappt aber nur, wenn man bereit ist, die Welt für einen Moment rigoros ausschnittshaft wahrzunehmen, also etwa durch eine Google-Suchabfrage. Und nicht länger darüber nachzudenken, was es bedeutet, dass den James-Joyce-Freunden in Miami eine „Ulysses“-Zusammenfassung an die Hand gegeben wurde. Es bedeutet nämlich, dass die traumhafte Reihenfolge, nach der die Menschheit in weiten Teilen der Welt zuerst begeistert „Ulysses“ liest und mit Herrn Bloom einen 16. Juni in Dublin verbringt und sich dann begeistert mit anderen begeisterten „Ulysses“-Lesern zusammentut, nicht ganz aufgeht.

Deprimierend. Dabei dachten wir vorher noch: Ist doch auf jeden Fall besser, als wenn alle begeistert „Werther“ lesen und sich in der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember gemeinsam schluchzend an Schreibtische setzen. Oder Schlimmeres.

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