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Mensch und Roboter, einander so fern und doch gar nicht so unähnlich.
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Mensch und Roboter, einander so fern und doch gar nicht so unähnlich.

Times mager

Gesprächsfluss

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Roboter suchen ihre künstlerische Ader, Menschen füllen die Gesprächslücken. War das früher nicht umgekehrt?

Beim Treffen mit Ü und E (ein Haushalt) fiel wieder auf, dass Ü eine Meisterin der Gesprächsführung ist. Ü hält das Gespräch am Laufen, das nicht einfacher wird, wenn alle nur über Corona nachgrübeln, aber nichts mehr darüber wissen wollen, beziehungsweise: sie wollen sogar alles wissen, aber sie wollen nicht mehr darüber sprechen, beziehungsweise: sie wollen sogar darüber sprechen, aber sie wollen es auf jene Weise, die einen die Popcorntüte bis zum Grund leeren lässt, obwohl einem schon kodderig vor lauter Popcorn ist. Die Älteren erinnern sich.

Mit Ü spricht man aber nur für ein Weilchen über Corona, dann stellt sie eine Frage nach etwas ganz anderem. Und so fort. Zur Meisterin wird sie aber, wenn das Gespräch zu versiegen droht. Dann redet Ü einfach weiter. Es sind vielleicht nicht die Moment, in denen Ü die klügsten Sachen sagt, es ist eher ein freies Flottieren der Gedanken oder lediglich der Sprache als solcher, die sich in Füllwörtern zu einem anderen Thema hin moduliert. Aus Gründen des Persönlichkeitsrechts kann hier kein Beispiel genannt werden. Ein Beispiel müsste den Eindruck erwecken, Ü faselte vor sich hin, aber das geht in die falsche Richtung. Auch im Faseln zeigt sich Üs Rücksicht gegenüber den Verlegenheiten anderer (was soll ich jetzt als nächstes sagen, was in aller Welt soll ich jetzt als nächstes sagen). Schweigen mag in tausend Situationen Gold sein, aber ein Abendessen gehört nicht dazu. Ü füllt die Lücken wie ein dafür angeschaffter Apparat.

Dabei ist der echte Apparat von heute mit anderem befasst. „Sophia“, eine Berühmtheit unter den Robotern mit menschlichem Antlitz, hat ein Selbstporträt verfertigt, das nun für fast 700 000 Dollar versteigert wurde. Das Bild sieht so aus, wie viele Menschen und offenbar auch Roboter sich Kunst vorstellen. Ein echter Künstler, ein menschlicher Berufsmaler, hat es vorgemalt. „Sophia“ zeichnete dann auf diesem Porträt. Das klingt nicht einmal wie abmalen. Es klingt wie Asien aus dem Westermann abpausen, aber mit künstlerischer Freiheit.

Interessant, dass „Sophia“ sich künstlerisch probieren soll, während Ü redet wie aufgezogen. Früher, denken Sie an Data aus dem „Raumschiff Enterprise“, wäre es umgekehrt gewesen. Der Roboter redete und redete, der Mensch spielte auf dem Holodeck Leonardo da Vinci und sagte nur zwischendurch etwas ungemein einmalig Menschliches. Jetzt zerfließen die Grenzen, aber es ist nicht klar, ob es die Grenzen zwischen den Existenzformen oder den Tätigkeiten sind. Die großen, effizienten Schweiger: Mancher mag sie bewundern, aber von Zartgefühl zeugt ihr Vorgehen nicht.

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