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„Halten Sie Ihre Augen geöffnet und vergewissern Sie sich, dass Ihr Gesicht vollständig sichtbar ist und nicht von Gegenständen wie einem Hut oder einer Sonnenbrille verdeckt wird.“

Times mager

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„Telefon entsperren per Gesichtserkennung“ ist für viele Menschen ein sehr, sehr langer Text. Wie also heißt das Zauberwort? Die Feuilleton-Kolumne.

Sie kennen das ja auch: In der Konferenz, also auf Deutsch: im Meeting, sitzt immer so eine oder einer, die oder der unter einem Gesichtsmuskeltotalverlust zu leiden scheint. Die Mundwinkel steinern nach unten gerichtet, die Augen weit offen und leer, als suchten sie schon mal das Weite. Kein Lächeln, kein Nicken, kein Zeichen auch von Unwillen oder Widerspruch. Nichts. Ein gesperrtes Gesicht.

Der kollegialen Stimmung ist das nur sehr begrenzt förderlich, und deshalb fragen auch Sie sich sicher manchmal, ob sich so ein Gesicht nicht entsperren ließe, technisch geht ja schließlich alles Mögliche heutzutage etc. Und kaum haben Sie sich das gefragt, da hören Sie schon das Zauberwort: Gesichtsentsperrung!

Allerdings: Kaum gegoogelt, fängt der Ärger schon an: „Wenn der Bildschirm eingeschaltet ist, können Sie Gesichtsentsperrung verwenden“, schreibt das Internet, und Sie fragen sich mit allem Recht der Welt: welcher Bildschirm?

Oder das hier: „Halten Sie Ihre Augen geöffnet und vergewissern Sie sich, dass Ihr Gesicht vollständig sichtbar ist und nicht von Gegenständen wie einem Hut oder einer Sonnenbrille verdeckt wird.“ Was, bitte, hat das mit der eingefrorenen schlechten Laune Ihres Kollegen zu tun? Und wer behauptet eigentlich, dass Sie bei Konferenzen (Meetings) Gegenstände wie einen Hut oder eine Sonnenbrille tragen?

Ja, schon gut, Sie haben es verstanden, das mit dem Kollegen oder der Kollegin geht in Wirklichkeit gar nicht. Vielmehr ist in der Welt der modernen Technik, wo die Regeln der deutschen Sprache offenbar hinter einem vergessenen Passwort abgespeichert sind, mal wieder irgendein Gaul durchgegangen.

Wahrscheinlich liegt das daran, dass es die Leute immer so eilig haben und keine Mehrwort-Überschriften in Online-Gebrauchsanweisungen für ihre Handys lesen. „Telefon entsperren per Gesichtserkennung“ ist für viele Menschen ein sehr, sehr langer Text.

Sagen wir es rundheraus: Gesichter lassen sich nicht entsperren, es sei denn, Sie beleidigen Ihre Kollegin/Ihren Kollegen so lange, bis er/sie zuckt, oder Sie erzählen einen derart guten Witz, dass ihm/ihr die Lachmuskeln zucken. Was ja übrigens, Sie kennen es, dann auch für Sie wiederum ziemlich lustig aussieht, vorausgesetzt, er/sie versucht, den Lachanfall wegzusperren, was zu den entzückendsten Grimassen zu führen pflegt.

Das Internet schreibt, die Gesichtsentsperrung sei „nicht so sicher wie mit Fingerabdruck“. In der Konferenz (Meeting) hilft das Hinterlassen von Fingerabdrücken auf Kolleginnen und Kollegen allerdings auch nicht weiter.

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