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Im Gegensatz zu Florian Silbereisen spricht Christian Lindner nicht Bayerisch.

Times mager

Der gesichtsbehaarte Schöne

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Wer ist der hübsche Mann auf dem Wahlplakat? Florian Silbereisen? Gut, dass Wahlplakate nicht sprechen können.

Günther Jauch ist ja, wie an dieser Stelle berichtet, das „beliebteste Vorbild“ der Deutschen. Das kommt davon, wenn man Sendungen moderiert wie „Wer wird Millionär? – Das große Zocker-Special“. Denn wie sagte schon Florian Silbereisen: „Ich glaube, dass man Vorurteile und Vorbehalte nur durch Leistung wegbekommt.“

Ganz ehrlich: Das ist Herrn Röhrl nicht wirklich gelungen. Der Mann war Kandidat, gewann durch eigene Leistung 125.000 Euro, bestätigte allerdings sämtliche Vorurteile und Vorbehalte gegen jenen mehr oder weniger deutschen Volksstamm, der im überregionalen Fernsehen seinen unverständlichen Dialekt pflegt. Ganz Norddeutschland, also alles oberhalb von Oberfranken, dürfte den Ton abgeschaltet haben.

Es begab sich übrigens, um nur vorübergehend das Thema zu wechseln, dass bei einem Spaziergang einige sehr schöne Plakate ins Auge stachen. Darauf ein wirklich hübscher Mann in den besten Jahren, zeitgemäß dezent gesichtsbehaart, der den Betrachter leicht träumerisch, aber intensiv anschaut. Das Foto etwas weichgezeichnet, sparsam der Text dazu, ein Traum. Und eine ältere Dame murmelte: „Florian Silbereisen“.

Schöne Symbiosen von Politik und Unterhaltung

Das wäre nicht passiert, wenn Plakate sprechen könnten, denn im Gegensatz zu Florian Silbereisen spricht Christian Lindner nicht Bayerisch. Das mindert natürlich die Verwechslungsgefahr zwischen den beiden hübschen Herrn auf erfreuliche Weise, und das tut auch not, denn Florian Silbereisens Auffassung, „dass man Vorurteile und Vorbehalte nur durch Leistung wegbekommt“, findet ansonsten durchaus gewisse Entsprechungen im FDP-Wahlprogramm, auch wenn dort verständlicherweise nicht so differenziert formuliert werden kann wie beim Schlagermann: „Vorankommen durch eigene Leistung“. Zugegeben, da steht noch mehr, aber halt nichts anderes.

So oder so ist es nur zu begrüßen, dass Politik und Unterhaltung so schöne Symbiosen miteinander eingehen, dass man gar nicht mehr das Gefühl hat, zwischen beiden wählen zu müssen. Christian Lindner jedenfalls wird es relativ egal sein, wenn ihn eine betagte Spaziergängerin wählt und dabei glaubt, sie habe Florian Silbereisen ihre Stimme gegeben bzw. diese spezielle Art Stimme, die man bei Wahlen nun einmal hat.

Herr Röhrl jedenfalls hatte sich nach eigener Aussage 3899-mal bei Günther Jauch beworben, bis er es schaffte. Abgesehen vom Dialekt, muss man dem Mann zubilligen, dass er mit diesem Beharrungsvermögen auch hätte in die Politik gehen können. Es gibt Parteien, die Experten für „Zocker-Specials“ ganz gut gebrauchen können.

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