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Gerade mit Masken ist das Wiedererkennen von Gesichtern schwer.
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Gerade mit Masken ist das Wiedererkennen von Gesichtern schwer.

Times mager

Gesichter

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Gar nicht schlecht, dass man sich gegenwärtig auf die Masken herausreden kann, wenn man jemanden nicht erkennt.

Schwierigkeiten mit der Wiedererkennung von Gesichtern zu haben, ist ein Problem, auch wenn man keine darauf abgestellte Software ist, die dem Untergang geweiht ist, sobald das herauskommt. Denn privat ist es ebenfalls unangenehm, nicht zu wissen, wen man vor sich hat, schlimmer noch: gar nicht zu glauben, die angelegentlich lächelnde Person dort drüben überhaupt jemals gesehen zu haben. In ersterem Fall könnte durch geschicktes Taktieren (über das Wetter sprechen) einiges erreicht werden, und vielleicht verrät sich das Gegenüber von selbst und sagt: „Neulich bei Beate hat es auch geregnet.“ In beiden Fällen gilt aber: Man wird ganz verlegen, während das Gegenüber ganz kühl wird, wenn es davon etwas bemerkt.

Eine Folge davon ist der Gruß ins Blaue. Peinlich. Dass man sich gegenwärtig auf die Masken herausreden kann: nicht schlecht.

Obwohl es zu den vornehmsten Eigenschaften des Menschen gehört, eine Unzahl von Gesichtern zu erkennen – zumal es zum Beispiel nicht üblich ist, ostentativ aneinander zu schnuppern, und leider nur Roboter in einschlägigen Filmen unempfindlich Auskunft geben –, ist diese Fähigkeit also nicht gleichmäßig ausgeprägt. Ein Schock für jeden dürfte es aber sein, sich erstmals auf die Seite thispersondoesnotexist.com zu begeben. Jedes Mal, wenn man sie aufruft, ist eine andere Person zu sehen, die, wie gesagt, nicht existiert. Ein Programm hat sie erstellt, ein über den Menschen blendend informiertes Programm. Dabei schaut man so offensichtlich Leuten in die Augen, dass das kaum zu fassen ist.

Vor allem jedoch ist es für Ignorantinnen und Ignoranten herkömmlicher Wiedererkennung dasselbe Erlebnis wie auch in ihrem gewöhnlichen Leben: Irgendwie kommt einem diese Person bekannt vor, aber irgendwie hat man auch echt keine Ahnung, wer das sein soll.

Viele Bilder später allmählich die Ernüchterung: Der Computer macht kleine Fehler, und es sind seltsamere darunter als die Frau mit den unterschiedlichen Ohrringen, was immerhin noch eine modische Entscheidung sein könnte. Wenn auch eine nicht nachahmenswerte. Markanter die beiden Brillenscharniere, die nicht zusammenpassen wollen, krass die fehlerhaften Stellen im Haar, die beim nächsten Typen aussehen, als hätte sich der junge Mann blaue Knetmasse auf den Kopf gelegt. Oder hat er das vielleicht getan? Wie auch immer, es gibt ihn ja nicht. Wie erfrischend für uns Verunsicherbare, dieses eine Mal nicht weiter grübeln zu müssen.

Ferner ist es eine Beruhigung, dass ein Computer so dumme Fehler macht, auch wenn klar ist, dass es nur daran liegt, dass ihm der Mensch (wohlweislich) noch nicht alles beigebracht hat.

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