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Christian Thomas ist Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau.
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Christian Thomas ist Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Gesegnet

Soeben noch wurde Silvio Berlusconi in seiner Heimat hymnisch besungen: "Du bist edel und gerecht, darum gefällst du uns." Nun erleben er und ganz Italien schlaflose Nächte. Von Christian Thomas

Wir, die wir nördlich der Alpen hausen, halten den Atem an. Müssen wir, die wir den Mann bisher durch Felsen gefiltert und Hochgebirge abgeschirmt kannten, umdenken? Soeben noch wurde Silvio Berlusconi in seiner Heimat hymnisch besungen: "Du bist edel und gerecht, darum gefällst du uns." Nun jedoch, die soeben auf ihn komponierte und verfasste Hymne (auf Youtube!) hin oder her, erleben er und sein Heimatland schlaflose Nächte.

Brisant die Tonbänder, die Mitschnitte schreiben die Geschichten fort, in denen Callgirls und Showgirls, Halbwelt und der G-8-Gipfel vom Regierungschef ihre Rolle zugewiesen bekamen. Auch schweift der Berlusconi-Wähler jetzt, während seiner schlaflosen Nächte, durchs Internet, wo er Patrizia D-Addario (42, wie das ganze Land mittlerweile weiß) antrifft, die über ihr Erlebnis mit dem Regierungschef unterm Strich festhält: "Warte auf mich im großen Bett".

Seitdem, wie Italiens Demoskopen berichten, der Berlusconi-Wähler wegen dieser Tat doch ein wenig kränkelt und mit dem Gewählten fremdelt, hat dieser reagiert. Denn da die Zustimmungswerte des nicht nur bei Wahlen Angebeteten und immer wieder Gesundgebeteten sinken, hat er öffentlich Reue angekündigt. Mit ihr will Berlusconi praktisch Buße tun, wie seine soeben öffentlich gemachte Zerknirschung über seine auf Sardinien gelegene Villa Certosa deutlich machen sollte.

Er will sie verkaufen. Zum geschnürten Gesamtpaket der Buße soll ebbenfalls eine Bußwallfahrt zum Grab des in Italien hochverehrten Padre Pio gehören. Wir, nördlich der Alpen, hätten Berlusconi falsch verstanden, wenn wir dessen Reue und Buße nicht als Ankündigung zu einer Inszenierung, seine Sühne nicht als Medienereignis, seine Beichte nicht als Livelippenbekenntnis verstünden. Der Reuige als Inkarnation des Padre Pio, als Wiederauferstehung des Edlen und Gerechten, hymnisch besungen. An dessen Erwachsenentaufe aber wollen wir, nördlich der Alpen, schon jetzt Anteil nehmen und strecken die Arme zum Himmel, auf dass sie auch jenseits der Alpen gesehen werden. Denn so müsste erkennbar werden, wie gesegnet wir doch sind, trotz allem.

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