+
Uli Hoeneß: Als Bürger das Recht, sich auf das Grundgesetz zu berufen.

Times Mager

Das Geschäftsmodell des FC Bayern

  • schließen

Wird der FC Bayern München eine Ethikkommission auf den Weg bringen? Die Erwartungen sind hoch!

Da auch der Fußball seine eigenen Gesetze hat, glasklare aber auch kniffelige, wollen wir auch an dieser Stelle auf den Fußball zurückzukommen, zumal er von einer solchen Großmacht (einem solchen Gesetzgeber) wie dem FC Bayern repräsentiert wird, der immerzu schon ganz weit vorn ist, als Tabellenführer, aber auch als Hegemonialmacht, wenn es um Werte und Normen im Fußball(-geschäft) geht. Nun auch wieder. Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, die „Bayern-Bosse“ also, rügten soeben den polemischen und herabwürdigenden Umgang mit Spielern des Vereins und beriefen sich auf den Artikel 1 des Grundgesetzes.

Nun ist Hoeneß bisher nicht als ein Hermeneutiker der Menschenwürde in Erscheinung getreten, man erinnere sich nur, wie sehr er sie angetastet hat, wie hässlich er über den Nationalspieler Özil („Dreck gespielt“) sprach. Oder wie herabwürdigend über den Rechtsstaat, etwa in der Breno-Affäre oder wie selbstherrlich im Fall Beckenbauer. Auch ist Rummenigge dann doch kein Radikaldemokrat – es sei denn, man wollte in seiner Verteidigung der Menschenwürde eine fundamentale Absage an das Grundgesetz des Profifußballs erkennen. Einen Angriff gar auf dessen agonales Prinzip?

So sehr die beiden Bayern-Bosse sich aus dem Häuschen (und mental irgendwie überfordert) gezeigt haben: Unbedingt haben sie als Bürger das Recht, sich auf das Grundgesetz zu berufen. Sie haben obendrein als Sportsfreunde recht, wenn sie eine hysterische Sportberichterstattung kritisieren, an erster Stelle das „Bild“-Gesetz der Häme und Herabwürdigung. 

Die Grenzen des Sagbaren in aller Öffentlichkeit verschieben: Der Populismus vergiftet nicht nur die Sphäre des Politischen. Unvergessen der sowieso immer wieder unfassbare Sender Sport1, der am 18. 9. 2017 in seinem Videotext formulierte: „FCB: Neuer schon wieder kaputt“. 

Das ganze Geschäft, heißt es, lebe von Überspitzungen. Weil das Geschäft ein Geschäft ist, dessen Geschäftsprinzip von den Bayern an erster Stelle (und nicht nur als Tabellenführer) favorisiert wird, wirkt das plötzliche Pochen auf Unantastbarkeit und Würde wie eine unfassbare Überspitzung. Oder haben die bisherigen Leistungsträger Hoeneß und Rummenigge womöglich tatsächlich das Potenzial zu Würdenträgern? 

Wird der FC Bayern München eine Ethikkommission auf den Weg bringen (vielleicht nach Fifa-Vorbild)? Die Erwartungen sind hoch! Hat doch der Fußball in den letzten Tagen der Gesellschaft eine weitere Großdebatte beschert. Wichtig ist jetzt, von Tag zu Tag zu denken. Hat die Debatte der Gesellschaft eine Vergegenwärtigung des Grundgesetzes geschenkt? Kniffelig. Oder eine weitere Vergegenwärtigung des Geschäftsmodells FC Bayern vermacht? Glasklare Sache. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion