1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

George

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Dieser George Martin (zweiter von rechts), der fünfteste Beatle, den es je gab, wurde am 3. Januar dieses Jahres 90.
Dieser George Martin (zweiter von rechts), der fünfteste Beatle, den es je gab, wurde am 3. Januar dieses Jahres 90. © imago stock&people

Was skandalös ist: Am 3. Januar dieses Jahres war die für Beatles-Jubiläen zuständige FR-Redaktion nicht auf Zack, sonst hätte sie selbst aus dem Urlaub heraus natürlich nicht versäumt, den 90. Geburtstag von George Martin zu bejubeln. Aber jetzt.

Am 3. Januar dieses Jahres hätte die Frankfurter Rundschau beinahe darüber berichtet, dass George Martin das Manuskript zu seinem neusten Werk „The Winds of Winter“ nicht rechtzeitig fertig gekriegt hat. Besser gesagt: Die FR hat am 3. Januar darüber berichtet. Im Internet. Das ist schon mal gut, aber nicht perfekt, denn wie schrieb uns FR-Leserin Marion H. unlängst aus anderem, aber gegebenem Anlass in einer E-Mail: „Nicht jeder hat Internet“, was selbstverständlich ein Skandal ist, wenn auch ein kleinerer Skandal als der Umstand, dass nicht jeder die FR hat.

Nicht jeder wird ferner wissen, was „The Winds of Winter“ ist. Es ist quasi die nächste Folge der wahnsinnig erfolgreichen Fernsehserie „Game of Thrones“, die vielleicht nicht jeder kennt, weil sie auf einer Romanserie basiert, die „A Song of Ice and Fire“ heißt. Falls die nicht jeder kennt: Auf Deutsch heißt sie „Das Lied von Eis und Feuer“.

Was ist passiert? George Martin, genauer: George R. R. Martin, hat den Abgabetermin fürs Manuskript verbaselt, was dazu führt, dass die nächste Staffel der TV-Serie jetzt vor dem nächsten Buch erscheint, auf dem die Serie basiert. Das mache aber nichts, sagt George R. R. Martin, weil die Serie sowieso schon längst das Buch überholt habe. In dem einen Medium lebten noch Leute, die in dem anderen längst tot seien, und umgekehrt. Nicht jeder kann sich so gut herausreden, wenn er den Redaktionsschluss verpennt hat.

Am 3. Januar dieses Jahres hätte die FR übrigens auch darüber berichten können, dass John R. R. Tolkien 124 Jahre alt geworden wäre, hätte es ihn nicht schon mit 81 dahingerafft, der Autor wahnsinnig erfolgreicher Romane über Hobbits und Herren der Ringe. Die FR hätte am 3. Januar dieses Jahres vermelden können, dass Mel Gibson (60), Michael Schumacher (47), John Paul Jones (70), Sergio Leone (87), August Macke (129) und Konrad Duden (187) mehr oder weniger runde Geburtstage mehr oder weniger feiern konnten.

Hätte, hätte, Straßenglätte. Was aber wirklich skandalös ist: Am 3. Januar dieses Jahres war die für Beatles-Jubiläen zuständige FR-Redaktion nicht auf Zack, sonst hätte sie selbst aus dem Urlaub heraus natürlich nicht versäumt, den 90. Geburtstag von George Martin zu bejubeln, und zwar ganz ohne R. R. – den 90. Geburtstag des britischen Musikproduzenten, seines Zeichens der fünfteste Beatle, den es je gab. Und immer noch gibt. Sir George hat mehr als 5000 Platten produziert, aber David Bowies „Space Oddity“ abgelehnt. Nicht jeder ist unfehlbar. Abgesehen davon war der 3. Januar ein Sonntag.

Auch interessant

Kommentare