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Times Mager

Generäle

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Die Schlacht von Leuthen, in der die preußische Armee Friedrichs des Großen 1757 Schlesien den Österreichern abtrotzte, ist durch ein Gemälde Adolf Menzels in Erinnerung geblieben. Von Harry Nutt

Die Schlacht von Leuthen, in der die preußische Armee Friedrichs des Großen 1757 trotz militärischer Unterlegenheit den Anspruch auf Schlesien gegen Österreich behauptete, ist vor allem durch ein Gemälde Adolf Menzels in Erinnerung geblieben. Das unvollendete Bild zeigt die ausgesparte Silhouette des Preußenkönigs, der schlank, beinahe fragil, vor seinen Generälen steht und sie auf den bevorstehenden Kampf einschwört.

Es ist eine winterliche Szene und gegenüber dem schmächtigen König wirken die Generäle stämmig und burschikos. In fast jeder Bildbeschreibung wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Generäle beim Zuhören geradezu körperlich mit dem Zurechtrücken ihrer schweren Pelze beschäftigt sind.

Adolf Menzel hat den Dargestellten Individualität und Charakter verliehen, der Kürrassiergeneral Lentulus ist ebenso zu erkennen wie Prinz Moritz von Dessau. Die Herren hören dem König nicht andächtig zu, man tauscht sich vielmehr sachlich untereinander aus. Die Autonomie der Generalität, so eine Lesart des Bildes, sei eine der Voraussetzungen für den militärischen Erfolg gewesen.

Verteidigungsminister Karl Theodor von Guttenberg ist bereits im Amt des Wirtschaftsministers durch sein Gespür aufgefallen, sich vor Pressefotografen in Szene zu setzen. Seine Ankunft in der Welt der Wirtschaft bekräftigte er mit der Pose ausgebreiteter Arme am New Yorker Times Square.

Diesmal sind die Hände locker auf die Hüfte gesetzt. An Bord eines Transportflugzeuges der Bundeswehr richtet er, auf dem Flug nach Afghanistan, das Wort nicht an die Soldaten verschiedener Dienstgrade, die ihn sitzend umrahmen. Er schaut locker geradeaus, dorthin, wo die mitfliegenden Reporter aufgereiht sind. Seine Botschaft gilt nicht der Generalität, sondern uns, der Mediengesellschaft.

Der amerikanische Kunsthistoriker Michael Fried legt nahe, dass die Spannung zwischen dem körperlos wirkenden König und der vitalen Gegenwart der Generäle ein kompositorischer Grund dafür war, dass Menzels Bild unvollendet blieb. Die leere Silhouette Friedrichs ist nun kein schlechter Kommentar zum Bedürfnis von Politikern, die Bildproduktion ihrer selbst zu kontrollieren.

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