1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Gelb

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stephan Hebel

Kommentare

Und was genau ist eigentlich der Unterschied zwischen Gelbwurst und Fleischwurst?
Und was genau ist eigentlich der Unterschied zwischen Gelbwurst und Fleischwurst? © imago/Frank Müller

Gelbwurst. Fleischwurst. Alles eins, oder was? Und was ist in der Gelbwurst eigentlich drin? Eine Recherche.

Es muss auch vom Times mager eine gewisse investigative Kompetenz erwartet werden. Aber es ist andererseits nicht einfach, als in Teilen erwachsener Mensch eine repräsentative Stichprobe an Fleischtheken durchzuführen. Jedenfalls nicht dann, wenn es um das Verschenken von Gelb- oder Fleischwurst geht bzw. genauer: das Beschenktwerden mit Fleisch- oder Gelbwurst.

Dieses Ritual kommt ja in der Regel nur Kindern zugute, und deshalb könnte es durchaus zu Missverständnissen führen, wenn ein ergrauter Rechercheur die Situation mit einem „Will auch!“ eskalieren ließe. Auch wenn, zugegeben, der entsprechende Impuls nur schwer zu unterdrücken ist, was übrigens auch nicht gesünder ist als pur genossene Gelbwurst.

Die Kollegin von S. hat an dieser Stelle ausschließlich Fleischwurst erwähnt, als sie vor einigen Tagen auf die Wursttheken-Kinder-Konstellation einging. Allerdings ergab eine Umfrage im Kolleginnenkreis, die die Vor-Ort-Recherche ersetzte, eine hundertprozentige Mehrheit: Zumindest an Hessens Wursttheken wird Gelbwurst gereicht, nicht Fleischwurst.

Leider schwächte die einzige Teilnehmerin der Umfrage, die Kollegin N., die Überzeugungskraft des Ergebnisses (das allerdings stimmt) selbst wieder ab, indem sie ihrem „Gelbwurst!“-Ruf eine Frage folgen ließ, nämlich: „Und was genau ist jetzt der Unterschied zwischen Gelbwurst und Fleischwurst?“

Um diese Frage zu beantworten, müsste näher auf die Inhaltsstoffe eingegangen werden. Das soll an dieser Stelle allerdings unterlassen werden, denn nach allem, was wir wissen, besteht das Erfolgsgeheimnis der Gelbwurst darin, dass der Nutzer in der Regel nicht genau weiß, was sie enthält. Und das ist bei der Fleischwurst nicht anders. Bei der Bärchenwurst auch nicht, da hilft auch der Name nicht weiter.

Zur Gelbwurst mag hier der Hinweis genügen, dass sie in manchen Regionen auch „Hirnwurst“ heißt. Allerdings fügt unser Wikipedia-Lexikon hinzu: „Heutzutage ist die Zugabe von Hirn unüblich (wohlgemerkt, es geht um Wurst, Anm. d. Red.) und entspricht nicht der Verbrauchererwartung.“

Wichtig für unseren Zusammenhang: Das Fleisch (und darum soll es sich tatsächlich handeln, welches auch immer) wird „gekuttert, bis es ein feines Brät ist“. Später wird dann „die Masse in – zumeist gelbe – Kunstdärme (...) abgefüllt“. Und so weiter.

Jetzt wissen Sie noch lange nicht, was ein Kutter mit Wurst zu tun hat. Dazu bei Gelegenheit mehr. Aber vergessen Sie nicht: Es geht um Gelbwurst, ob die Kollegin von S. das glaubt oder nicht.

Auch interessant

Kommentare