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Geiftertal

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Von: Thomas Stillbauer

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Schwer zu entziffern: der Roman „Im Geistertal“ von Anny Wothe.
Schwer zu entziffern: der Roman „Im Geistertal“ von Anny Wothe. © imago

Ay, immer diese Buchstabenverwechslungen! Überlegungen angesichts der Lektüre eines Romans von Anny Wothe.

Seit Jahren nichts mehr aus dem Geistertal gehört. Na ja, nein, aber seit Monaten. Und immer noch nicht die Geisterhexe erschaut. So kann das natürlich nicht weitergehen.

Prinzipiell hätte sich der Weihnachtsurlaub dafür angeboten, große Fortschritte in der Lektüre des vor 100 Jahren (inzwischen vor 101) veröffentlichten Romans „Im Geistertal“ von Anny Wothe zu machen. Andererseits setzt sich dieser Roman immer noch aus den gezierten Buchstaben zusammen, die man in jener Zeit verarbeitete und ist somit weiterhin schwerer zu entziffern als die anderen drei Bücher und sieben Magazine im Reisegepäck. Außerdem ist die Handlung ein wenig zäh. Außerdem ist dieser Leser, wie vormals erwähnt, ohnehin der langsamste Leser aller Zeiten.

Mit anderen Worten: Wir sind erst auf Seite 75. Immerhin hat Don Jamos y Cole, der tragische Held, inzwischen zu Prinzessin Celeste gesagt, die er zu dem Zeitpunkt noch für die Geisterhexe hält: „Ist der Tod der Schlimmste?“ (Ja, „der“) Interessante Frage, das muss man zugeben. „Ist er nicht nur ein Bezwinger, sondern auch ein Erlöser, ein Befreier?“ Das wiederum ist vielleicht ein wenig ungeschlacht formuliert. „So manch einer nahte ihm bittend, auf der bleichen Stirn den Frühlingsblütenkranz, und er neigte sich lächelnd vor ihm.“

Worte eines gramgebeugten Mannes. Wir Leserinnen und Leser sind immer noch nicht ganz dahintergekommen, was Don Jamos verbrochen hat, um auf der Insel „Mallorka“ unter falschem Namen als Verwalter des feudalen Anwesens exilieren zu müssen. Doch schon ist ein Fremder eingetroffen, der gefährliches Wissen mit sich führt: „Der Verwalter foll ein Deutscher fein!“

Ay, immer diese Buchstabenverwechslungen! Pardon. Dazu muss hier noch ein Geständnis aufs Tapet: In der vorigen Geistertalfolge war keineswegs ein „dunklef Seheimnif“ heraufzubeschwören, weil, wie der Schriftgelehrte Albert E. aus W. schlüssig anmerkte: „Das wäre allerdings ein grober Satzfehler, denn das f, also das lange s, ist ja wirklich nur für den Binnengebrauch; deshalb heißt es auch Binnen-s.“ Vorne dran fteht es aber auch gern.

Ungeachtet dessen zieht im Geistertal ein schwerer Sturm auf – und Simoneta („sie ist wie eine Rose im Tal, der ein Feuertrunk entquillt“, Sie wiffen schon), irrt irgendwo da draußen umher. Natürlich muss der Don, der sich eigentlich von ihr fernhalten soll, sie suchen gehen. Ehren-Don. Natürlich findet er sie. „Leblos wie eine Tote ruhte sie auf dem harten Stein.“ Natürlich braucht sie eine Mund-zu-Mund-Beatmung. „,Lebe, lebe‘, rief sein Herz. ,Mein Leben will ich Dir geben, lebe!‘“

Das gibt doch garantiert wieder Ärger.

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