Jane Austen soll es nicht immer ganz genau mit der Wahrheit genommen haben.
+
Jane Austen soll es nicht immer ganz genau mit der Wahrheit genommen haben.

Times mager

Gefälscht

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
    schließen

Jane Austen spielte zweimal, sie wäre verheiratet. Was schließen wir daraus?

Sehr junge Leute sind keine guten, aber fleißige Dokumentenfälscher. Ihnen fehlen die technischen Mittel und Fertigkeiten, nicht aber die Naivität und die Zeit, es trotzdem zu versuchen. Nur so konnte es zum frühen Presseausweis und zum sensationell frühen Führerschein kommen, zum Eulen-Club-Ausweis und zum reich bestempelten Reisepass, ferner zum Impfpass für die Puppe Moni. Der Eulen-Club-Ausweis war echt, insofern es einen Club dieses Namens gab, auch wenn der Stempel notgedrungen einen Schmetterling zeigte. Der Presseausweis war so gut gefälscht, dass die Bluse auf dem selbst gemalten Passbild authentisch gemustert war und das Pappstück bis heute in der Schublade liegt. Aus nostalgischen Gründen, aber doch auch bereit für Notfälle, sozusagen. Jetzt verlieren wir uns aber etwas.

Man müsste sich mit solchen Jugendfreuden, die einen Hang ins Amtliche sowie eine allgemein menschliche Gier dokumentieren, nicht weiter auseinandersetzen, wenn nicht soeben bekanntgeworden wäre, dass die Schriftstellerin Jane Austen sich als Teenagerin zweimal als verheiratet in ein entsprechendes Kirchenregister eintrug. Demnach hießen ihre Ehemänner Henry Frederic Howard Fitzwilliam (aus London) und Edmund Arthur William Mortimer (aus Liverpool). Der Ausschnitt, den die BBC online zeigt, macht deutlich, dass Jung-Jane ihren und Fitzwilliams Namen in einen Vordruck quetschte, auf dem zuständige Kirchenleute sehen konnten, wie sie den Eintrag vorzunehmen hatten. Eine extrem harmlose Fälschung also, die sich in knappen Zusammenfassungen allerdings liest, als sei Jane Austen Bigamistin gewesen.

Aufmerksamen Briten ist nicht entgangen, dass in einem der Namen bereits ein Teil des späteren, berühmten Austen-Geschöpfs Mr Fitzwilliam Darcy, Esquire (aus Derbershire) steckt. Andererseits würden wir den Hund, den wir nicht haben, auch Moni nennen.

Aber was hat das alles zu sagen? Dass es für eine Frau weit angenehmer ist, in einer Welt zu leben, in der sie vorab ihren Reisepass vollstempeln kann, als in einer Welt, in der die Ehe das Wichtigste, Einzige im Leben einer Frau ist. Darum dreht sich jede Zeile in den Büchern von Jane Austen, auch wenn sie es ironisch ins Gegenteil drehte: „Es gehört zu den allgemein anerkannten Tatsachen, dass ein unverheirateter Mann mit Vermögen nichts dringender benötigt als eine Ehefrau“ (so der abgefeimte erste Satz von „Stolz und Vorurteil“).

Was ihr eigenes Leben betraf, kümmerte sich Austen bekanntlich nicht darum. Man testet es, verwirft es, kann man jetzt sagen.

Mehr zum Thema

Kommentare