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Sogar einen öffentlichen Bücherschrank gibt es auf dem Marktplatz in Bonames.
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Sogar einen öffentlichen Bücherschrank gibt es auf dem Marktplatz in Bonames.

Times mager

Gefährten

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Wahre Wunderkisten sind die kleinen Bücherschränke, die an manchen Orten öffentlich aufgestellt werden. Auf dass jeder reintue, was er will und hat, und heraushole, was er möchte.

Was für Schicksale sich in einem solchen Bücherschrank verbergen mögen. Man nehme nur „Marketing“, 8. Auflage, dick. Dazu noch „Marketing – Arbeitsbuch“. Dann „Marketing-Management“, wahrscheinlich alle drei von derselben Person eingestellt. Womöglich hat sie die Nase gründlich voll gehabt vom Marketing. Womöglich hat sie umgeschult. War dann mal weg. Ist jetzt vielleicht schon Schafschererin in Neuseeland. Gleich neben „Marketing-Management“ steht „Kognitive Psychologie“, vielleicht ja in manchen Lebenslagen nützlich. Dann kommt ein farbenfroh-floraler Rücken, der irgendwie nicht zum Rausziehen und Nachgucken reizt, was für ein Inhalt zu diesem Buchumschlag gehört. Daran angelehnt „Das Hotel am See“ von Martha Grimes. Ein Krimi, das ist schon wegen der Häufigkeit von Krimis allemal zu erwarten in einem Bücherschrank mitten in Frankfurt, bei dem jeder aufgefordert ist, sich zu nehmen, was er mag, dafür anderes reinzustellen, was er nicht mehr mag.

Es ist nicht, was Sie denken

An Grimes lehnt sich, schmal, „Software“ von Rudy Rucker. Es ist nicht, was Sie vielleicht denken, es ist kein Computerlehrbuch. Stattdessen gibt es darin Boppers und Pheezers und Little Kidders. Und das Gehirn der Hauptfigur wird irgendwie in Software transferiert. 1982, als der Roman erschien, Science Fiction, heute Standard bei so einigen Menschen, die man kennt.

In die Reihe drunter hat jemand „Die Rache des Marquis“ eingereiht: „Um den Tod seines Bruders zu sühnen und die faszinierende Jade zu retten, läßt sich der Marquis von Cainewood auf ein riskantes Abenteuer ein“. Auf dem Cover umarmt sich ein Paar leidenschaftlich. Drei schmale Bände nach rechts und: „John Updike Rabbit in Ruhe“. Nach links: „Joseph Heller Catch 22“. Neben Heller wiederum: „Business Reengineering“. „Die Radikalkur für das Unternehmen“ kostet neu 49,90 Euro, hier könnte man es kostenlos mitnehmen. Wenn man denn wollte.

Man wollte noch nie, egal, was es war. Bei jedem Vorbeigehen aber lassen sich Minuten, ach was, Viertelstunden vor diesem schmalen Schrank verbringen. „Die richtige Frau“ von Catherine Cookson: Wer bloß hat die Geschichte von der schönen Pam und dem Bergarbeiter Larry vorher Zuhause gehabt? „Die guten Gefährten“ von J.B. Priestley: Liest irgendjemand auf der Welt noch Priestley und wird das Buch sie/ihn von einem öffentlichen Schrank im Frankfurter Nordend aus finden? Die Chancen für „Predigten und Fürbitten“ oder natürlich für „Happiness“ dürften weit besser sein, aber wer weiß.

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