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Wer muss, der muss.
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Times mager

Gassi

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Von Gassitaschen mit „integriertem Kotbeutelspender“, „zum rotz“ und 60 Jahren Frieden.

Wir kennen sie alle, diese Dinge, von denen wir vor zwei Wochen noch nicht ahnten, dass wir sie brauchen, aber kaum ist die elektrische Lunchbox im Haus, fragen sich sowohl die Arbeitnehmerin als auch der Arbeitnehmer, wie das Essen im Büro ohne elektrische Lunchbox zu bewerkstelligen war. Schon im Prospekt sah das Ding ausgesprochen lecker aus, befüllt mit einem bunten Nudelgericht (Warum stand da eigentlich nicht „Serviervorschlag“?), und, jetzt kommt’s: auslaufsicher!

Über die Auslaufsicherheit der „faltbaren Lunchbox“ steht im Prospekt leider nichts, und sorry, dann lieber nicht kaufen, der spannenden Gestaltung („Silikon und Löffel violett“) zum Trotz. (Kurzer Exkurs: Kennen Sie das, wenn am Laptop manchmal die „T“-Taste schwächelt und plötzlich steht da „zum rotz“ statt „zum „Trotz“? Kennen Sie nicht? Auch okay.)

Auslaufsicher hingegen wiederum die „Trinkblase“, die wir nach kurzem innerem Widerstand („Blase 100% Thermoplastisches Polyurethan“) frohen Herzens erwerben. Und dann gehen wir Gassi. Liebe Hundebesitzerinnen und -besitzer (oder sind Besitzansprüche in der Mensch-Hund-Beziehung verboten?), vielleicht wissen Sie bis heute nicht, wie eine Gassitasche Ihr Leben verändert. Und sollten Sie das doch schon wissen, dann wissen Sie wahrscheinlich immer noch nichts von der fundamentalen Notwendigkeit einer Gassitasche mit „integriertem Kotbeutelspender“.

Hier ist sie, endlich, mitten im Prospekt, die Gassitasche mit integriertem Kotbeutelspender: umsichtig gestaltet in „Beige mit gelben Details“, einer Farbgebung, die dezent an alles erinnert, was Ihr Hund draußen zu erledigen hat, „Öffnung für Kotbeutel 100% Silikon“ – wer sich da nicht aufs Kotbeutelanwenden freut, ein fröhliches „Dem Spender sei ein Trullala“ auf den Lippen, ist auch nicht mehr zu retten. Von der großen Integrationsleistung auf dem Feld der Kotbeutelspender ganz zu schweigen. Und wenn Sie jetzt nach der Auslaufsicherheit fragen – die ist nun wirklich Sache des Beutels und nicht des Spenders.

Ausdrücklich distanzieren müssen wir uns hier von Rainald Grebe, der in einem entfernt vergleichbaren Zusammenhang aus dem Segment der Bedürfniserfindungsindustrie („Wellnesshotel“) im Jahre 2008 reimte: „Ich stand in diesem Wellnesshotel/und ich hatte das Gefühl,/60 Jahre Frieden sind zu viel“. Eher umgekehrt, so ist zu vermuten, wird ein Schuh draus: Bepflastern wir Berge und Ebenen mit eins, zwei, drei, vielen Wellnesshotels, lassen wir es elektrische Lunchboxen und Gassitaschen mit Kotbeutelspender regnen – und es wird Ruhe herrschen im Land, bis ans Ende der Tage.

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