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Die Wartburg bei Eisenach - Symbol der Reformation.
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Die Wartburg bei Eisenach - Symbol der Reformation.

Times mager

Ganz real

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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In einer Ecke, so berichten es Legenden, hört Luther ein Scharren und Kratzen.

Was bedeutet es, mit einem Gegenstand nach dem Satan zu werfen? Muss Luther lange überlegen?

Wartburg, die Lutherstube. Derjenige, der sie seit ein paar Wochen bewohnt, muss nicht nachdenken, überhaupt nicht. Denn der Bewohner ist ein impulsiver Mann. Durch Ungestüm ebenso wie durch Kompromisslosigkeit hat er sich in Deutschland („deutschen Landen“) und über Deutschland hinaus einen Namen gemacht. Also hebt er, kaum dass er sich sicher ist, dass der Satan im Raum steht, den Arm, in der Hand ein Tintenfass. Legendäre Geschichte. Wie aber muss man sich vorstellen, dass sie weitergeht?

Wird der Satan, an dessen Präsenz Luther doch glaubt, die Tintenfassattacke auf sich beruhen lassen? Wird es zum Gegenschlag kommen? Wie würde ein solcher aussehen?

Luther hat von Kindesbeinen an äußert plastische Vorstellungen vom Teufel. Wie dem Teufel beikommen? Darf sich der Mensch überhaupt auf Händel mit dem Satan einlassen, indem man ihm körperlichen Schaden zufügt?

Ein solcher Gedanke ist zweifellos brisant, wo doch die Gegenwart des Teufels für einen Zeitgenossen der Neuzeit wie Luther nicht zu bezweifeln ist – im Gegenteil: Er ist präsent, er ist keine Fiktion, er ist ein Faktum. Er ist nicht dadurch aus der Welt zu schaffen, indem man ihm ausweicht, sondern indem man sich ihm stellt.

Der Gläubige in der Lutherstube der Wartburg geht auch deswegen daran, Weltgeschichte zu schreiben, weil er an die Realpräsenz beim Abendmahl glaubt. Weil für den Reformator Brot und Wein nicht etwa die Anwesenheit Christi nur symbolisieren, sondern vielmehr dessen Realpräsenz ausdrücken.

Wartburg, Lutherstube. In einer Ecke, so berichten es Legenden, hört Luther ein Scharren und Kratzen. Das mag sich harmlos anhören – doch für Luther ist der Teufel ein anderes Kaliber als alle irdischen Mächte, angefangen mit dem Kaiser und dessen Ketzerhäschern. Der Glaube an den Teufel ist für den Reformator alles andere als Aberglaube. Die Realpräsenz des Teufels ist nicht etwa ein Trugbild – ist sie womöglich ein Spiegelbild der Realpräsenz Christi? Ist die Fixierung auf den Teufel womöglich die dunkle Seite seines unbedingten Glaubens an die Gegenwart Christi?

Luther ist ein Mann, der entschieden glaubt. Durch Entschiedenheit hat er sich einen Namen gemacht. Entschieden hebt er den Arm, er kann nicht anders, in der Hand das Tintenfass. Nein, der Teufel ist kein unbeschriebenes Blatt.

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