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Franz Xaver Gabelsberger hat die Stenografie erfunden.
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Franz Xaver Gabelsberger hat die Stenografie erfunden.

Times mager

Gabelsberger

Aber sicher wäre es besser, immer ein Spiralblöckchen zur Hand zu haben: Von den Nöten der Theaterkritikerin.

Die Notiz im Dunkel des Zuschauerraums, auf gut Glück hingekrakelt von den über den Saal verteilten Rezensentinnen und Rezensenten, ist eines der letzten Refugien der Handschrift. Und die Briefe des Onkels, wobei der Unterschied zwischen dem Gekrakel aus dem Dunkel und dem gerundeten Tintenfluss aus Onkels Füllfederhalter so eklatant ist, dass man kaum mehr von derselben Kulturtechnik sprechen kann. Hier der barbarische Akt, dort die gepflegte Beständigkeit. Traut man dem vorweihnachtlichen Andrang am Tresen für gehobene Schreibutensilien beim Karstadt, so ist die Sehnsucht nach zweiterer lebendig. Allerdings kaufen die Leute um diese Jahreszeit alles, was nicht niet- und nagelfest ist.

Im Dunkel des Zuschauerraums jedenfalls herrschen raue Sitten. Im Programmheft will die Stelle getroffen sein, an der nicht gerade die Dramaturgin das Stück erklärt. Programmhefte, in denen der Weißraum aus Gründen der Originalität geschwärzt wurde, sind ein Affront gegen den schlecht ausgerüsteten Kritiker, quasi eine Rache des Theaters, aber warum, warum? Und warum ist die Kritikerin überhaupt so schlecht ausgerüstet? Sieht man hier, wie heruntergekommen der moderne Journalismus ist? So weit würde ich nicht gehen. Aber sicher wäre es besser, immer ein Spiralblöckchen zur Hand zu haben. Trotz allem.

Besser als gar keine

Denn die im Zuschauerraum niedergeschriebenen Beobachtungen sind im Anschluss ohnehin nicht zu lesen, egal, ob sie versehentlich quer über den Besetzungszettel geschrieben wurden oder in ein nagelneues Markennotizbuch. Zwar ist eine unleserliche Notiz immer noch besser als gar keine, rein psychologisch. Dennoch regt der Jahresbeginn an, sich am Riemen zu reißen.

Und zwar folgendermaßen. Am Sonntag gedenken wir des 166. Todestages von Franz Xaver Gabelsberger, der den Deutschen (und nicht nur ihnen) die Grundlage für die bis heute übliche Stenografie lieferte. Eine Kurzschrift löst u. U. mehrere Probleme zugleich. Unvergessen die Kollegin, die im Kabarett ab und an raumsparend ein Zeichen hinwarf, nachher bereitwillig Sätze daraus vorlas, während man selbst jeden zweiten Witz versäumte, weil man noch beim vorangegangenen feststeckte. Schon beim Schreiben vergisst man die Pointen, es ist fürchterlich.

Hiermit erklären wir feierlich: Am Ende des Jahres 2015 soll uns die Deutsche Einheitskurzschrift kein Buch mit sieben Siegeln mehr sein. Eine entsprechende Publikation für den Selbstunterricht liegt  bereits vor. Das interessierte Publikum werden wir auf dem Laufenden halten.

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